„Für eine Karte braucht es mehr“
Hannah (21) erlernt gerade den Ausbildungsberuf der Geomatikerin beim Stadtmessungsamt in Stuttgart. Sie ist momentan im 2. Ausbildungsjahr und erzählt von ihrem Bewerbungsprozess und Eindrücken.
Ich hatte noch nie zuvor von dem Beruf des Geomatikers gehört, als ich in einer Zeitung, in der verschiedene Ausbildungsberufe erklärt wurden, über den Beruf stolperte. Als ich die Anforderungen durchlas, dachte ich mir: Das passt! Denn ich hatte schon immer Interesse für Geografie und Informatik, und dazu auch noch ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen. Und so informierte ich mich weiter. Zum Schluss stand mein Entschluss fest: Ich will Geomatikerin werden!
Ich bewarb mich bei einigen Städten. Beim Stadtmessungsamt der Landeshauptstadt Stuttgart habe ich am schnellsten eine Zusage bekommen und da es mir beim Bewerbungsgespräch auch sehr gefallen hat, habe ich direkt zugesagt.
Mein erstes Ausbildungsjahr begann mit einer Reise durch die verschiedenen Abteilungen. Schritt für Schritt verstand ich dadurch, wie das Stadtmessungsamt aufgebaut ist und wie die einzelnen Abläufe ineinandergreifen. Besonders spannend war es, die unterschiedlichen Aufgabenbereiche kennenzulernen. Ich lernte nicht nur meine Kolleginnen und Kollegen kennen, sondern auch deren Aufgabengebiete und stellte fest, wie vielseitig die Aufgaben als Geomatikerin bei der Stadt sind. Besonders faszinierend war für mich die Erkenntnis, was eigentlich alles hinter der Gestaltung einer Karte steckt. Es geht nicht nur um das Aussehen der Karte (für das man ein modernes Gestaltungsprogramm braucht), sondern vielmehr um die präzise Bereitstellung von Informationen und eine Reihe von Überlegungen, wie diese wohl am besten vermittelt werden können. Denn für eine Karte braucht es mehr! Und vor allem braucht es: Geodaten.
Um besser zu verstehen, woher die Geodaten kommen, bin ich im Rahmen der Ausbildung für einige Zeit zur Vermessungsabteilung gewechselt, um die Vermessungsarbeit von Grund auf kennenzulernen. Ich wurde in die Grundlagen der Messgeräte eingewiesen, insbesondere in die Bedienung des Tachymeters. Mit diesem kann man im Außendienst vor Ort gleichzeitig Entfernungen, Richtungen und Vertikalwinkel messen. Daraus berechnet das Tachymeter die genauen Koordinaten der gewünschten Aufnahmepunkte. Im Außendienst führte ich Vermessungen im gesamten Stadtgebiet durch. Zu sehen, wie die Messpunkte vor Ort später die Grundlage für digitale Pläne bilden, war sehr interessant.
Zurück in der Abteilung Geoinformation und Kartografie tauchte ich in die Datenbankstrukturen städtischer Geoinformationssysteme (GIS) ein. Es war faszinierend zu sehen, wie Daten logisch verknüpft, analysiert und visualisiert werden, um der gesamten Stadtverwaltung ein effizientes Arbeiten zu ermöglichen. Besonders spannend: Viele dieser Geodaten fließen direkt in den Bürgerservice ein. Die Bandbreite der Produkte ist dabei beeindruckend und reicht von klassischen analogen Stadt- und Freizeitkarten bis hin zu hochmodernen digitalen Anwendungen wie 3D-Stadtmodellen und spezialisierten Fachanwendungen.
Natürlich gehört zu einer dualen Ausbildung auch der Besuch einer Berufsschule. So ging ich im ersten Lehrjahr zusammen mit den Vermessungstechniker-Azubis in dieselbe Schule. Dort lernte ich nicht nur die mathematischen Grundlagen und das Vermessungsgesetz, sondern auch, dass Fluchtstäbe nicht nur lange Stangen mit Markierungen für Messungen sind, sondern auch bei Glatteis zu einem sicheren Stand beitragen können 😉.
Das erste Jahr verging wie im Flug, ab dem zweiten Jahr wird der Fokus weg von der Vermessung und mehr in Richtung der Geomatik gelegt, daher ging es auch auf eine andere Berufsschule. Dort liegen die Schwerpunkte in der Verwaltung von Geodaten, deren Analyse mit Geoinformationssoftware und der Gestaltung von Karten.
Um noch tiefer in die Abläufe und Tätigkeiten des Stadtmessungsamts einzusteigen, machte ich noch einen kurzen Abstecher in die Abteilung Geobasisdaten und Liegenschaftskataster. Dabei lernte ich unter anderem, was hinter Adresse, Eigentümer und Grundstück steckt. Dabei durfte ich auch selbst an Projekten arbeiten. Um die Datenbasis stets auf dem neuesten Stand zu halten, habe ich sie in einem GIS mit aktuellen Luftbildern und Straßenpanorama-Aufnahmen abgeglichen. Durch diesen direkten visuellen Vergleich konnte ich Unterschiede entdecken und die Daten so gezielt aktualisieren.
Mittlerweile bin ich wieder zurück in der Abteilung Geoinformation und Kartografie, in der ich bis zum Ausbildungsende bleiben werde. Hier arbeite ich aktiv bei verschiedensten Projekten mit. So gestalte ich z. B. Signaturen oder modelliere 3D-Gebäude, die später in unseren Karten und Auskunftssystemen verwendet werden.
Abschließend kann ich sagen, dass der Beruf der Geomatikerin bei der Stadt Stuttgart sehr interessant ist und mir viel Spaß macht. Zu sehen, wie die Projekte und Aufgaben, die ich mitbegleitet oder selbst bearbeitet habe, weiteren Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger von Stuttgart haben, freut mich jedes Mal.