„Chef ist hier nur das Gesetz.“
Lilian (22) hat gerade ihr duales Studium zur Diplom-Rechtspflegerin (FH) abgeschlossen. Hier berichtet sie Azubiyo von ihren Erfahrungen während der Studienzeit.
„Mich für Gerechtigkeit einsetzen – das war schon während der Schulzeit mein Ding. Ich wollte aber nicht direkt nach der Schule an der Uni Jura studieren, sondern gleich auch schon praktische Erfahrungen sammeln und mein eigenes Geld verdienen, deswegen hat mich das Angebot der Justiz in NRW angesprochen, ein duales Studium zur Rechtspflegerin zu machen. An der Fachhochschule für Rechtspflege habe ich das theoretische Knowhow gelernt, das ich brauchte, um später in der Praxis eigenständig Entscheidungen treffen zu können. Denn in den Fällen, die ich bearbeite, bin ich wie eine Richterin sachlich unabhängig und entscheide nur nach Recht und Gesetz. Das macht für mich den Reiz meiner Arbeit aus!
Rechtspfleger/-innen regeln Angelegenheiten in wichtigen Lebensbereichen, zum Beispiel klären sie, wer eine verstorbene Person beerbt, wickeln Insolvenzen von Privatpersonen oder Unternehmen ab oder sorgen mit ihrer Eintragung im Grundbuch dafür, dass jemand ein Haus kaufen kann. Viel Verantwortung, aber dank des dualen Studium habe ich mich dafür gut vorbereitet gefühlt!
An der Fachhochschule gibt es keine Vorlesungen, sondern Unterricht in Studiengruppen, so dass ein guter Kontakt zu den Lehrkräften und unter den Studierenden bestand. Es ist ein anspruchsvolles Studium, darum war ich froh, dass man sich mit den anderen Studierenden austauschen konnte – nicht nur zum Lernen ;-)
In den praktischen Abschnitten war ich an einem Amtsgericht in der Nähe meines Wohnortes. Ich weiß noch genau, wie gut es sich angefühlt hat, meine ersten eigenen Akten zu bearbeiten (hinterher gab es natürlich Feedback). Während der Praxiszeit habe ich die vielen verschiedenen Abteilungen kennengelernt, in denen Rechtspfleger/-innen später arbeiten. So konnte ich ausprobieren, welches Rechtsgebiet mir besonders liegt.
Als ich dann mein Examen in der Tasche hatte, bin ich zur Beamtin auf Probe ernannt worden. Mein Job beim Amtsgericht Köln gefällt mir gut, denn hier herrscht eine kollegiale, mitarbeiterorientierte und herzliche Atmosphäre. Und mit meiner Arbeit trage ich Tag für Tag zu einem gerechten Miteinander bei!