AZUBIYO Logo
Verkäuferin und Kundin in Geschäft
Verkäuferin und Kundin in Geschäft

Azubi-Wissen » Einzelhandel Mindestlohn

Mindestlohn im Einzelhandel

Kurz vor Abschluss deiner Berufsausbildung stehen viele Entscheidungen für dich an. Wenn dir die Chance auf die Übernahme in deinem Ausbildungsbetrieb geboten wird, überlegst du, ob du das Angebot annehmen sollst. Oder hast du ein anderes Jobangebot in der Tasche und fragst dich, ob das Gehaltsangebot üblich ist? Hier findest du einen Überblick, wie hoch der Verdienst im Einzelhandel ist und ob ein Mindestlohn im Einzelhandel berücksichtigt wird.

Wie hoch ist der Mindestlohn?

Der gesetzliche Mindestlohn ist allgemeinverbindlich. Es bedeutet, dass in jeder Branche eine Lohnuntergrenze bezahlt werden muss.

  • Seit Juli 2021 beträgt die Lohnuntergrenze 9,60 € brutto pro Stunde.
  • Ab Januar 2022 beträgt der gesetzliche Mindestlohn 9,82 € brutto pro Stunde.
  • Ab Juli 2022 erhalten Arbeitnehmer/innen einen Mindestlohn von 10,45 € brutto pro Stunde. 

Der Mindestlohn ist die vom Gesetzgeber vorgeschriebene unterste Grenze, die ein Unternehmen seinen Mitarbeitenden bezahlen muss. Es wird zwischen dem gesetzlichen Mindestlohn und Branchen-Mindestlohn unterschieden.

Branchen-Mindestlöhne sind Untergrenzen für Arbeitende, die in bestimmten Branchen arbeiten. Aktuelle Branchen mit Mindestlöhnen sind:

  • Abfallwirtschaft
  • Bauhauptgewerbe
  • Dachdecker
  • Elektrohandwerk
  • Gebäudereinigung
  • Geld- und Werttransporte
  • Gerüstbau
  • Maler- und Lackiererhandwerk
  • Pflege
  • Schornsteinfegerhandwerk
  • Steinmetz- und Steinhauer Handwerk
  • Zeitarbeit

Verdienst im Einzelhandel

Einen Branchen-Mindestlohn im Einzelhandel gibt es nicht, dafür sind andere Regelungen ausschlaggebend.

Einzelhandel-Gehalt in Tarifverträgen

Arbeitsverhältnisse im Einzelhandel unterliegen häufig einer Tarifbindung. Tarifbindung bedeutet, dass das Einkommen und die Arbeitsbedingungen in einem Tarifvertrag geregelt sind. Gerade die größeren Einzelhandelsketten sind tarifgebunden. In kleineren Handelsbetrieben, wie kleinen Modeläden oder bei einzelnen Händlern, sind die Einkommen dagegen oft nicht tariflich geregelt. 

Tarifgebundene Betriebe sind Mitglied einer Arbeitgeberorganisation, die gemeinsam mit einer Gewerkschaft einen Tarifvertrag verhandelt. Die Gewerkschaft vertritt die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gegenüber dem Verband der Arbeitgeber. 

In tarifgebundenen Betrieben im Einzelhandel liegt das Gehalt bei durchschnittlich 2.539 Euro brutto pro Monat. Allerdings musst du bedenken, dass das Gehalt am Anfang deiner Karriere deutlich weniger sein wird. Berufsanfänger verdienen im tarifgebundenen Einzelhandel ein Gehalt von durchschnittlich 2.066 Euro brutto pro Monat bei einer Vollzeitbeschäftigung.

Auch kommt es darauf an, in welchem Bundesland du arbeiten wirst. Im Einzelhandel haben die Gewerkschaften mit den Arbeitgeberverbänden in jedem Bundesland eigene Tarifverträge verhandelt. Der Verdienst im Einzelhandel ist also je Bundesland unterschiedlich. In Bayern verdienen Einzelhandelskaufleute durchschnittlich 2.939 Euro brutto monatlich, während im Bundesland Sachsen nur 2.306 Euro brutto durchschnittlich bezahlt wird. 

Verdienst im Einzelhandel ohne Tarifvertrag

Das durchschnittliche Einzelhandel-Gehalt in Betrieben ohne eine Tarifbindung ist wesentlich geringer als in Unternehmen, in denen ein Tarifvertrag gilt. Im Schnitt verdienen Einzelhandelskaufleute ohne einen Tarifvertrag 2.204 Euro brutto pro Monat. Auch in den freien Betrieben sind Gehaltsunterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern zu erkennen, jedoch spielt hier die Unternehmensgröße eine wichtigere Rolle.

Beschäftigte in Handelsbetrieben mit mehr als 500 Beschäftigten verdienen durchschnittlich 17 % mehr als in Betrieben bis zu 100 Angestellten (m/w/d). Händler mit einer Betriebsgröße zwischen 100 und 500 Beschäftigten zahlen immerhin noch knapp 6 % mehr als die kleinen Betriebe.

Die hier aufgeführten Einkommen sind nur Durchschnittswerte und können sehr unterschiedlich ausfallen. Womit du auf jeden Fall rechnen kannst, ist der gesetzliche Mindestlohn. Berechnet bei einer 40 Stunden Arbeitswoche beträgt der gesetzliche Mindestlohn im Einzelhandel etwa 1.664 Euro brutto pro Monat. 

Unser Tipp für ein gutes Einstiegsgehalt nach der Ausbildung

Wenn du nach deiner Berufsausbildung mit einem lukrativen Gehalt starten möchtest, solltest du darauf achten, dass dein neuer Arbeitgeber tarifgebunden ist. Wenn du mehrere Angebote vorliegen hat, solltest du auf jeden Fall vergleichen und bedenken, dass nicht nur das Gehalt, sondern auch andere Dinge wie etwa Arbeitszeit und Sonderzahlungen eine wichtige Rolle spielen.

Weitere Infos

Bildnachweis: „Verkäuferin und Kundin in Geschäft" © Boggy - stock.adobe.com