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Friseur Mindestlohn
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Friseur Mindestlohn

Lange Zeit war das Friseurhandwerk eines der schlechtbezahltesten Gewerbe in Deutschland und das, obwohl der Beruf an sich sehr anstrengend ist. Friseure und Friseurinnen stehen den ganzen Tag und müssen oft mehrere Kunden und Kundinnen gleichzeitig bedienen. Das bedeutet eine hohe körperliche Anstrengung sowie eine hohe Stressbelastung.

Wer hat Anspruch auf den Friseur Mindestlohn?

Im Jahr 2017 trat der erste allgemeinverbindliche Tarifvertrag für das Friseurhandwerk in Kraft. Dieser wurde zunächst bundesweit als allgemeinverbindlich erklärt. Das bedeutet, dass alle Friseure (m/w/d) in Deutschland einen rechtlichen Anspruch auf einen Branchen-Mindestlohn erhielten. Mit der Neufassung des Tarifvertrages aus dem Jahr 2019 fiel die Allgemeinverbindlichkeit zunächst bundesweit weg. Jedoch erklärten einige Bundesländer den Fortbestand der Allgemeinverbindlichkeit ebenfalls für den neuen Tarifvertrag:

  • Land Bremen
  • Land Niedersachsen
  • Baden-Württemberg
  • Bayern
  • Hessen
  • Stadt Bremen
  • Nordrhein-Westfalen

Wer als Friseur oder als Friseurin in einem dieser Bundesländer arbeitet, hat weiterhin einen Anspruch auf den Branchen-Mindestlohn im Friseurhandwerk. In allen anderen Bundesländern gilt der Tarifvertrag nur für tarifgebundene Unternehmen. Ein Unternehmen ist tarifgebunden, wenn es Mitglied einer Innung oder einer Arbeitgeberorganisation ist. Allerdings können auch nicht tarifgebundene Unternehmen im Arbeitsvertrag eine Vergütung nach Tarifvertrag vereinbaren.

Wer hat keinen Anspruch auf den Friseur Mindestlohn?

Keinen Anspruch auf den Friseur Mindestlohn haben Mitarbeitende in Betrieben des Friseurhandwerks, wenn für das Bundesland keine Allgemeinverbindlichkeit besteht und der Betrieb nicht tarifgebunden ist. In diesen Fällen kann das Friseur-Gehalt frei verhandelt werden, muss aber mindestens den gesetzlichen Mindestlohn erfüllen:

  • Ab 01.07.2021 9,60 € brutto pro Stunde
  • Ab 01.01.2022 9,82 € brutto pro Stunde
  • Ab 01.07.2022 10,45 € brutto pro Stunde

In manchen Bundesländern, wie etwa Schleswig-Holstein, gelten die Bedingungen des Tarifvertrages aus 2017. Das gilt aber nur für Angestellte (m/w/d), die am 31.07.2019 bereits im Betrieb beschäftigt waren. Für alle anderen muss nur der gesetzliche Mindestlohn beachtet werden.

Achtung: In den einzelnen Bundesländern gelten verschiedene Regelungen!

Generell keine Ansprüche auf den gesetzlichen oder auf den Friseur Mindestlohn haben Pflichtpraktikanten (m/w/d), freiberufliche Mitarbeiter/innen und selbstständig Tätige, Langzeitarbeitslose und Jugendliche unter 18 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Auszubildende (m/w/d) sind ebenfalls ausgeschlossen, da für sie ein eigener Azubi-Mindestlohn gilt.

Friseur Mindestlohn Vergütung und Eingruppierung

Der neue und der alte Tarifvertrag beinhalten unterschiedliche Entgeltgruppen, in die Mitarbeitende eines Friseurbetriebes eingeordnet werden. Das Einkommen steigt mit der jeweiligen Entgeltgruppe:

Neuer Tarifvertrag ab 2019:
Stundenlohn ab 01.08.2021:

  • Entgeltstufe I: Berufseinsteiger nach bestandener Gesellenprüfung: 11,00 Euro
  • Entgeltstufe II: Erfahrene nach Gesellenprüfung, wenn die Arbeit überwiegend selbstständig durchgeführt: 12,50 Euro
  • Entgeltstufe III: Arbeitnehmer/innen mit abgeschlossener Meisterprüfung: 14,50 Euro
  • Entgeltstufe IV: Meister/innen, die als Geschäftsführer/-innen, Betriebsleiter/-innen oder Ausbilder/innen im Betrieb tätig sind: 17,50 Euro

Alter Tarifvertrag 2017:
Stundenlohn ab 01.08.2021:

  • Entgeltstufe I: Berufseinsteiger nach bestandener Gesellenprüfung: 9,69 Euro
  • Entgeltstufe II: Erfahrene nach Gesellenprüfung, wenn die Arbeit überwiegend selbstständig durchgeführt: 10,25 Euro
  • Entgeltstufe III: Arbeitnehmer/innen mit abgeschlossener Meisterprüfung: 12,30 Euro
  • Entgeltstufe IV: Meister/innen, die als Geschäftsführer/innen, Betriebsleiter/innen oder Ausbilder/innen im Betrieb tätig sind: 15,00 Euro

Unser Tipp: Informiere dich vor Abschluss deines Arbeitsvertrages über die tariflichen Gegebenheiten in deinem Bundesland.

Weitere Infos

Bildnachweis: „Friseurin bei der Arbeit" © Pixel-Shot - stock.adobe.com