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Kurzarbeit

Bestimmt hast du bereits gehört, dass einige Betriebe Kurzarbeit angemeldet haben. Vielleicht ist dein Ausbildungsbetrieb auch von Kurzarbeit betroffen? Alles, was du über Kurzarbeit wissen möchtest und welche Regelungen für dich als Azubi (m/w/d) gelten, beantworten wir dir auf dieser Seite.

Was ist Kurzarbeit?

Wenn es plötzlich zu Arbeitsausfällen kommt, nutzen Unternehmen die Kurzarbeit, um Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter weiterzubeschäftigen und Kündigungen zu vermeiden. Durch Kurzarbeit können Unternehmen ihre Kosten für Personal vorübergehend senken und damit Arbeitsplätze erhalten.

Das hat für beide Seiten Vorteile. Unternehmen behalten ihre erfahrenen Mitarbeiter (m/w/d) und können sie schnell wieder arbeiten lassen. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bleiben angestellt, anstatt sich arbeitslos zu melden.

Bevor Betriebe Kurzarbeit anordnen, müssen sie zuerst bei der Agentur für Arbeit einen Antrag auf Kurzarbeit stellen. In dem Antrag muss stehen, wen genau die Kurzarbeit betrifft. Es kann die ganze Belegschaft oder einzelne Abteilungen betreffen. Der Arbeitgeber muss ebenfalls den Grund für die geplante Kurzarbeit im Antrag angeben.

Mögliche Gründe für Kurzarbeit sind:

  • vorübergehend schlechte Auftragslage
  • gesetzliche Anordnung zur Schließung eines ganzen Betriebes oder Berufszweiges (zum Beispiel während der Covid-19-Pandemie)

Kurzarbeit ist vorübergehend und wird für höchstens 12 Monate genehmigt (in Ausnahmefällen bis zu 24 Monate).

Kurzarbeitergeld, Arbeitszeit und Überstunden

Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen erhalten während der Kurzarbeit kein Gehalt von ihrem Arbeitgeber, sondern ein Ersatz-Einkommen. Sie erhalten Kurzarbeitergeld. Der Arbeitnehmer lässt sich das bezahlte Geld von der Agentur für Arbeit erstatten. Damit ist er finanziell entlastet und muss niemanden entlassen.

Die Höhe des Kurzarbeiter-Einkommens bemisst sich nach der vorübergehend kürzeren Arbeitszeit. Während der Kurzarbeit arbeiten Mitarbeiter (m/w/d) entweder weniger Stunden oder gar nicht. Wer nicht arbeitet, erhält 60 % oder 67 % des eigentlichen Nettoeinkommens als Kurzarbeitergeld. Für alle anderen reduziert sich das Einkommen während der Kurzarbeit um den gleichen Prozentsatz wie die Arbeitszeit.

Bevor ein Unternehmen jedoch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in die Kurzarbeit schicken kann, dürfen keine Überstunden vorhanden sein. Plusstunden auf dem Zeitkonto werden abgebummelt und bestehende Minusstunden eingefroren. Bis auf eine Ausnahme sind Überstunden während der Kurzarbeit verboten.

Überstunden während Kurzarbeit

Falls während der Kurzarbeit sehr dringende Aufträge eintreffen, dürfen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ausnahmsweise Überstunden machen. Die geleisteten Stunden muss der Arbeitgeber zusätzlich zum Kurzarbeitergeld bezahlen.

Können Azubis in Kurzarbeit gehen?

Das ist die wohl wichtigste Frage, die dich interessiert. Neben Minijobbern und Rentnern können Azubis (m/w/d) nicht in die Kurzarbeit gehen. Eigentlich - aber auch hier gibt es Ausnahmen.

Für Azubis (m/w/d) gilt, dass für sie keine Kurzarbeit angeordnet werden kann. Dein Ausbildungsbetrieb hat die Pflicht, dich innerhalb der vorgesehenen Ausbildungszeit so weit auszubilden, dass du dein Ausbildungsziel erreichen kannst. Dein Ausbildungsziel ist der Berufsabschluss. Eine angeordnete Kurzarbeit kann dazu führen, dass du bestimmte Inhalte nicht lernen kannst, da diese in deinem Betrieb vorübergehend oder gar nicht zur Verfügung stehen. Der ausbildende Betrieb muss dafür sorgen, diese Inhalte für dich zugänglich zu machen, dabei bestehen mehrere Möglichkeiten:

  • Umstellung des Ausbildungsplans durch Verschiebung der Lerninhalte
  • Versetzung in eine andere Abteilung
  • Versetzung in einen anderen Betrieb ohne Kurzarbeit oder in eine Lehrwerkstatt
  • Prüfen alternativer Lernmethoden und Ausbildungsveranstaltungen

Erst wenn diese Alternativen nicht möglich sind, kann dein Betrieb dich als Azubi (m/w/d) in die Kurzarbeit schicken.

Sollte ein ganzer Berufszweig plötzlich nicht mehr arbeiten können, dann kannst du als Auszubildender natürlich ohne Prüfung dieser Maßnahmen in die Kurzarbeit gehen. Das beste Beispiel ist der Berufszweig der Friseure, die während der Covid-19-Pandemie gar nicht arbeiten durften. Friseur-Azubis waren ebenso von der Kurzarbeit betroffen wie ihre ausgelernten Kolleginnen und Kollegen.

Anspruch auf Kurzarbeitergeld für Azubis (m/w/d)

Als Azubi (m/w/d) in Kurzarbeit hast du erst nach 6 Wochen Anspruch auf Kurzarbeitergeld. In den ersten 6 Wochen muss dein Arbeitgeber dir die im Ausbildungsvertrag vereinbarte Vergütung bezahlen.

Fazit 

Wenn dein Betrieb aus unterschiedlichen Gründen Kurzarbeit anmelden muss, besteht für dich kein Grund zur Panik! Als Azubi hast du Anspruch auf die Lerninhalte deiner Ausbildung und auch 6 Wochen lang auf deine Ausbildungsvergütung.

Weitere Infos

Bildnachweis: „Kurzarbeit" © Erwin Wodicka - stock.adobe.com