Abitur nicht bestanden: Optionen und Alternativen
Was tun, wenn ich mein Abitur nicht bestanden habe?
Wenn du dein Abitur nicht bestanden hast, ist das zwar enttäuschend, aber kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Viele Schüler schaffen es im zweiten Anlauf oder finden sogar einen ganz neuen Weg, der besser zu ihnen passt. Wichtig ist jetzt, dass du deine Situation ruhig analysierst und herausfindest, welche Möglichkeiten du hast.
Ob Widerspruch, Nachprüfung, Wiederholung oder ein alternativer Bildungsweg – es gibt immer Chancen, weiterzumachen. Im Folgenden erfährst du, welche Optionen dir konkret offenstehen und wie du sie am besten nutzt.
Keine Sorge, wenn du durchs Abi gefallen bist – du bist nicht allein. Jedes Jahr bestehen mehrere Tausend Schüler ihr Abitur nicht auf Anhieb. Die Durchfallquote liegt je nach Bundesland bei rund 2 bis 5 Prozent, also betrifft es viele andere ebenfalls. Ein nicht bestandenes Abitur sagt nichts über deinen Wert oder deine Zukunftschancen aus – du hast trotzdem viele Möglichkeiten, erfolgreich weiterzumachen.
Wenn du glaubst, dass bei der Bewertung ein Fehler passiert ist – etwa bei der Korrektur deiner Klausuren oder der Punktevergabe – kannst du Widerspruch einlegen. Dafür hast du in der Regel einen Monat Zeit, nachdem du dein Ergebnis erhalten hast. Informiere dich bei deiner Schule oder Schulbehörde über das genaue Vorgehen und beachte die Fristen. Eine Anfechtung lohnt sich besonders, wenn du knapp an der Bestehensgrenze gescheitert bist.
Viele Bundesländer bieten die Möglichkeit einer mündlichen Nachprüfung an. Sie kann dir helfen, fehlende Punkte auszugleichen, damit du doch noch dein Abitur bestehen kannst. Ob du zur Nachprüfung zugelassen wirst, hängt von deiner Punktzahl und dem Fach ab. Meist musst du dafür in einem Fach zwischen 1 und 4 Punkten erzielt haben. Deine Schule informiert dich, ob du teilnehmen darfst.
Auf die Frage: „Kann ich das Abitur nachholen, wenn ich es nicht bestanden habe?“ gibt es eine klare Antwort: Ja, du kannst das Abitur im kommenden Schuljahr wiederholen. Das ist in der Regel einmal möglich – in manchen Bundesländern auch zweimal. Wenn du dich fürs Wiederholen entscheidest, kannst du deine Leistungen aus dem letzten Schuljahr gezielt verbessern. Nutze die Zeit, um Schwächen in bestimmten Fächern aufzuarbeiten oder Nachhilfe zu nehmen.
Wenn du die Schule bereits verlassen hast, kannst du auf dem sogenannten zweiten Bildungsweg dein Abitur nachholen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten:
- Abendgymnasium: Unterricht meist am Abend, ideal für Berufstätige.
- Kolleg: Vollzeitunterricht, ähnlich wie in der Schule.
- Fernschule: Flexible Zeiteinteilung, Lernen von zu Hause.
So kannst du dein Abitur auch nachträglich schaffen – in deinem eigenen Tempo und passend zu deiner Lebenssituation.
Auch ohne Abitur kannst du in Deutschland studieren – zum Beispiel, wenn du eine abgeschlossene Berufsausbildung und mehrjährige Berufserfahrung hast. Viele Hochschulen bieten zum Studieren ohne Abitur spezielle Zugangsprüfungen oder Probestudienzeiten für beruflich Qualifizierte an. So kannst du über den sogenannten dritten Bildungsweg doch noch ein Studium beginnen.
Hast du dein Abi nicht bestanden, kannst du natürlich trotzdem erfolgreich ins Berufsleben starten. Eine Duale Ausbildung mit Realschulabschluss ist eine hervorragende Möglichkeit, praktische Erfahrungen zu sammeln und finanziell unabhängig zu werden. Viele Betriebe suchen motivierte Auszubildende mit praktischem Denken und Engagement – ein Abitur ist dafür keine Voraussetzung.
Durch eine abgeschlossene Ausbildung kannst du zudem später gezielte Weiterbildungen absolvieren, etwa zum Meister oder Fachwirt.
Beliebte Ausbildungsberufe mit Realschulabschluss sind zum Beispiel:
Wann gilt das Abitur als nicht bestanden?
Ob das Abitur als nicht bestanden gilt, hängt davon ab, ob du die allgemeinen Anforderungen in allen Fächern erfüllst. Wenn du in mehreren Bereichen deutlich unter den Erwartungen bleibst oder Pflichtfächer nicht ausreichend abschließt, gilt das Abitur als nicht bestanden. Auch fehlende Leistungen, zum Beispiel wenn du eine Prüfung nicht antrittst oder abbrichst, führen automatisch zum Nichtbestehen.
Wichtig ist außerdem, dass du sowohl in der Qualifikationsphase als auch in den Abschlussprüfungen bestimmte Mindestleistungen nachweisen musst. Jede Schule informiert dich im Detail darüber, wann genau das Abitur als nicht bestanden gilt und welche Möglichkeiten du danach hast.
Das Abitur gilt als bestanden, wenn du mindestens 300 Punkte aus den vier Halbjahren der Qualifikationsphase und den Abiturprüfungen erreichst. Außerdem müssen bestimmte Mindestpunktzahlen in den einzelnen Prüfungsfächern erfüllt sein:
- In den schriftlichen und mündlichen Prüfungen musst du mindestens 5 Punkte im Durchschnitt erreichen.
- Es darf kein Prüfungsfach mit 0 Punkten abgeschlossen werden.
- Wenn du in einem Fach unter 5 Punkten liegst, kannst du das durch bessere Leistungen in anderen Fächern teilweise ausgleichen.
Unterschreitest du diese Grenzen, gilt das Abitur als nicht bestanden.
Was hat man für einen Abschluss, wenn man das Abitur nicht bestanden hat?
Wenn du das Abitur nicht bestehst, bekommst du trotzdem einen Schulabschluss, sofern du die Mindestanforderungen erfüllt hast. In vielen Fällen hast du dann den schulischen Teil der Fachhochschulreife oder einen Realschulabschluss (mittlere Reife) sicher.
Das ist jedoch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich und hängt von deinem bisherigen Bildungsweg ab. Informiere dich am besten bei deiner Schule oder beim zuständigen Kultusministerium, welcher Abschluss dir anerkannt wird.
Hat man Fachabi wenn, man das Abi nicht schafft?
Wenn du das Abitur nicht bestehst, hast du nicht automatisch das Fachabitur. In manchen Fällen kannst du aber den schulischen Teil der Fachhochschulreife anerkannt bekommen – etwa, wenn du bestimmte Noten in der Oberstufe erreicht hast. Um die vollständige Fachhochschulreife zu erhalten, musst du zusätzlich den praktischen Teil nachweisen, zum Beispiel durch ein Praktikum oder eine abgeschlossene Ausbildung. Ob das bei dir möglich ist, hängt von den Regelungen in deinem Bundesland ab – frag am besten bei deiner Schule oder Schulbehörde nach.
Falls du dein Abitur nicht bestanden hast, kannst du auch alternative Abschlüsse erwerben:
- Fachhochschulreife (Fachabitur) über eine Berufsausbildung oder Fachoberschule
- Berufsoberschule (BOS) oder Fachoberschule (FOS) für den Weg zum Fachabitur
- Fachgebundene Hochschulreife für bestimmte Studiengänge
Neben Ausbildung oder Fachabitur eröffnen sich weitere interessante Möglichkeiten zur persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung. Du kannst beispielsweise ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) absolvieren. Diese Programme ermöglichen es jungen Menschen, sich in sozialen oder ökologischen Bereichen zu engagieren und wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Das FSJ bietet die Gelegenheit, in sozialen Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Kitas mitzuwirken, während das FÖJ den Einsatz in Umweltprojekten und Naturschutzorganisationen ermöglicht. Darüber hinaus ist ein freiwilliges Praktikum eine hervorragende Möglichkeit, praktische Erfahrung zu sammeln und unterschiedliche Berufsfelder kennenzulernen.
Alternativ kannst du auch Zeit im Ausland verbringen, sei es durch einen Austausch als Au-Pair, Work and Travel, ein Praktikum im Ausland oder einfach ein Gap Year. Diese Optionen erlauben es, neue Kulturen kennenzulernen und Sprachkenntnisse zu vertiefen, während du gleichzeitig die Möglichkeit hast, berufliche und persönliche Kompetenzen zu erweitern.
Was schreibe ich im Lebenslauf, wenn ich das Abitur nicht bestanden habe?
Wenn du dich bewirbst, musst du das nicht bestandene Abitur nicht ausdrücklich erwähnen. Wichtiger ist, welche Qualifikationen und Erfahrungen du mitbringst. Schreibe zum Beispiel im Lebenslauf:
Schulbildung: Gymnasium Musterstadt (bis Klasse 12, schulischer Teil der Fachhochschulreife)
So zeigst du in deiner Bewerbung, dass du weit fortgeschrittene schulische Kenntnisse hast, ohne das Nichtbestehen zu betonen. Im Vorstellungsgespräch kannst du selbstbewusst erklären, dass du dich bewusst für einen anderen Weg entschieden hast.
Auch wenn du dein Abi nicht bestanden hast, ist das kein Rückschlag für dein gesamtes Leben – vielmehr eine Weggabelung mit vielen Alternativen. Es gibt konkrete Optionen wie Nachprüfung, Wiederholung, den zweiten Bildungsweg oder eine Ausbildung, mit der du ebenfalls erfolgreich starten kannst. Wichtig ist, dass du aktiv wirst, deine Situation analysierst und gezielt die für dich passende Route findest. Dein Wert wird nicht allein durch eine Prüfung bestimmt – deine Motivation, Tatkraft und Entscheidungen zählen mehr. Nutze die Chance, jetzt deinen eigenen, individuellen Weg zu gehen – mit Blick nach vorn, nicht zurück.
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Bildnachweis: „Abitur nicht bestanden – Schülerin ist verzweifelt“ ©fizkes – stock.adobe.com; „Abitur nicht bestanden – Mündliche Nachprüfung“ ©peopleimages.com – stock.adobe.com
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