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Gerichtsvollzieher / Gerichtsvollzieherin
Ausbildung & Beruf

Gerichtsvollzieher / Gerichtsvollzieherin
Gerichtsvollzieher / Gerichtsvollzieherin

Gerichtsvollzieher / Gerichtsvollzieherin
Ausbildung & Beruf

Du möchtest mit Menschen arbeiten und dabei mitwirken, finanzielle Konflikte zu lösen? Dir ist es wichtig, selbstständig zu arbeiten und Gläubigern zu ihrem Recht zu verhelfen? Dann ist die Arbeit als Gerichtsvollzieher wie gemacht für dich.

Was macht ein Gerichtsvollzieher (m/w/d)?

Gerichtsvollzieher werden immer dann tätig, wenn jemand seine Rechnungen nicht bezahlt hat. Allerdings nicht sofort, denn erst muss ein vollstreckbarer Titel vorliegen. Das können Gerichtsurteile, Vollstreckungsbescheide oder notarielle Urkunden sein. Als Gerichtsvollzieher oder Gerichtsvollzieherin bist du zwar im Auftrag von Gläubigern unterwegs. Du musst aber immer auch die Interessen und Möglichkeiten der Schuldner in deine Arbeit einfließen lassen. Es handelt sich also auch um eine Art der Mediation.

Du führst Zustellungen, Ladungen und Vollstreckungen durch. Dazu gehören auch die Zwangsvollstreckungen am beweglichen Vermögen des Schuldners, also die Beschlagnahmung und Versteigerung von wertvollen Gegenständen. Zur Tätigkeit von Gerichtsvollziehern gehört weiterhin die Abnahme von Vermögensauskünften. Letztlich wirst du auch Zwangsräumungen durchführen lassen müssen.

Gerichtsvollzieher arbeiten eigenständig im Außendienst und organisieren auch ihren Bürobetrieb selbst. Du kannst in diesem Beruf die Vorteile der Selbstständigkeit mit der Sicherheit der Verbeamtung verbinden.

So läuft die Gerichtsvollzieher Ausbildung ab

Um Gerichtsvollzieher zu werden, kannst du dich nicht direkt auf einen Ausbildungsplatz bewerben. Es ist nämlich keine bundeseinheitlich geordnete Ausbildung. Vielmehr handelt es sich um eine Weiterbildung, die üblicherweise 1,5 bis 2 Jahre dauert. Die Ausbildungsdauer hängt vom Bundesland ab, in dem du Gerichtsvollzieher wirst.

Die Gerichtsvollzieher-Ausbildung gliedert sich in unterschiedliche Module und verbindet Theorie mit Berufspraxis. Sie heißt auch Vorbereitungsdienst. Oft gehören zwei Praktika bei Gerichtsvollziehern zur Ausbildung, außerdem mehrmonatige Lehrgänge. Diese finden meist im Ausbildungszentrum der Justiz statt, das sogar in einem anderen Bundesland liegen kann. Du musst dich also darauf einstellen, während der Ausbildung einige Monate woanders zu leben. 

Am Ende der Ausbildung steht eine Prüfung. Hast du diese bestanden, wirst du zum Gerichtsvollzieher ernannt.

Studium statt Ausbildung: In Baden-Württemberg gibt es keine Einstellung im mittleren Dienst mehr. Willst du hier Gerichtsvollzieher (gehobener Dienst) werden, musst du ein Duales Studium absolvieren, das du mit dem Bachelor abschließt.

Das lernst du in der Ausbildung zum Gerichtsvollzieher

Mit welchen Themen du dich in deiner Weiterbildung zum Gerichtsvollzieher beschäftigen wirst, erklärt dir das AZUBIYO-Ausbildungslexikon:

  • K wie Kommunikation: Deine Arbeit als Gerichtsvollzieher ist als Mittlertätigkeit zu verstehen. Du musst mit Gläubigern genauso wie mit Schuldnern kommunizieren und Konflikte lösen können.
  • O wie Organisation: Da du ein eigenständiges Büro in deinem Bezirk unterhalten wirst, musst du lernen, wie du dein Büro organisierst und mit welchen Steuern und Abgaben du rechnen musst.
  • R wie Recht: Deine Arbeit basiert oft auf Vollstreckungstiteln oder Gerichtsurteilen. Du lernst in deiner Ausbildung, was es mit Vollstreckung, Zustellung und Insolvenzen auf sich hat.

Voraussetzungen für die Ausbildung im Gerichtsvollzug

Möchtest du Gerichtsvollzieher werden, unterscheiden sich die Voraussetzungen von Bundesland zu Bundesland. Je nachdem, ob du im mittleren oder gehobenen Dienst arbeitest, musst du die entsprechenden Laufbahnvoraussetzungen erfüllen. Genaue Infos findest du beim Justizministerium deines Bundeslandes.

Allgemein ist die Gerichtsvollzieher-Ausbildung eine Weiterbildung, für die du schon eine Prüfung für den mittleren Justizdienst bestanden haben musst. Alternativ wird in vielen Bundesländern Berufserfahrung in einem relevanten Beruf wie Justizfachangestellte/r anerkannt, um zur Ausbildung zugelassen zu werden.

Darüber hinaus kann es weitere Voraussetzungen für die Ausbildung als Gerichtsvollzieherin bzw. Gerichtsvollzieher geben. Dazu gehören ein bestimmtes Mindest- oder Höchstalter, geordnete wirtschaftliche Verhältnisse oder bestimmte körperliche Anforderungen.

Quereinsteiger: Auch ohne eine vorherige Ausbildung oder eine Tätigkeit in der Justiz kannst du Gerichtsvollzieher werden. Hier bestimmt das Bundesland ebenfalls wieder, welche Voraussetzungen du mitbringen musst. Üblich ist ein halbjähriger Einführungslehrgang.

So arbeiten Gerichtsvollzieher

Als Gerichtsvollzieher wirst du üblicherweise verbeamtet und einem bestimmten Amtsgericht bezirklich zugeordnet. Du bist aber nicht im Amtsgericht selbst tätig, sondern unterhältst dein eigenes Büro. Du kannst deine Arbeit selbstständig organisieren und durchführen. Das bedeutet teilweise auch Arbeit in den Abendstunden und am Wochenende. Schließlich musst du die Schuldner und Schuldnerinnen zu Hause antreffen.

Einige Fälle sind schwierig und gehen unter die Haut. Wichtig sind hier Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl. Du musst bei deiner Arbeit aber trotzdem konsequent bleiben, um die beste Lösung für Gläubiger und Schuldner zu finden. Manchmal ist die Arbeit als Gerichtsvollzieher aber auch gefährlich. Darum wirst du in einigen Fällen sogar von der Polizei begleitet.

Weitere Infos

Bildnachweis: „Gerichtsvollzieherin sitzt in ihrem Büro" © Antonioguillem - stock.adobe.com