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Binnenschiffer – Ausbildung & Beruf

Du willst Herr sein über einen Stahl-Koloss von hundert Metern Länge, mehreren tausend Tonnen Gewicht und rund 1600 PS? Als Binnenschiffer ist genau das deine Aufgabe. Du navigierst dein Schiff mitsamt Ladung bzw. Passagieren auf Flüssen, Seen und Kanälen.

Was macht ein Binnenschiffer?

Als Binnenschiffer findest du z.B. in Betrieben der Güter- und Personenbeförderung, in Hafen­betrieben und -behörden, bei Wasser- und Schifffahrtsämtern oder beim Frachtumschlag Beschäf­ti­gung. Zur Navigation deines Wasserfahrzeugs nutzt du moderne technische Hilfsmittel wie Radar und GPS. So behältst du z.B. auch den Wasserstand und das Wetter genau im Blick. Du be­dienst und wartest sämtliche An­la­gen an Bord und führst eigenständig Reinigungsarbeiten und Reparaturen durch. Die Sicherheit des Schiffs, der Besatzung, Passagiere und Ladung liegt in deiner Verant­wortung. 

Viele Binnenschiffer ar­bei­ten im Güterverkehr. Sie trans­por­tieren Container, Chemi­ka­lien, Bau- und Rohstoffe sowie Kohle. Den Ladungs­umschlag müssen sie effizient planen, Lade­gewichte genau berechnen und die Transportpapiere über­prüfen. Auf Ausflugs- und Kreuz­fahrt­schiffen sowie auf Fähren gehört auch die Betreuung der Passa­gie­re zu deinen Aufgaben als Binnen­schiffer. Du gibst diesen Auskunft über den Fahrplan und kon­trollierst die Fahrscheine. Ein weiteres Einsatzgebiet des Binnenschiffers sind schwimmende Anlagen und Geräte wie z.B. Bagger oder Kräne.

Art der Ausbildung

dual (Berufsschule und Betrieb)

Dauer der Ausbildung

3 Jahre, Verkürzung auf 2,5-2 Jahre möglich

Zuständige Stelle

IHK

So läuft die Ausbildung ab

Dieser Beruf könnte etwas für dich sein? Dann Leinen los für die Ausbildung, in der dir theoretische und praktische Kenntnisse vermittelt werden. Deshalb befindest du dich parallel in Betrieb und Berufsschule. Als Ausbildungsnachweis dient dir ein Berichtsheft. Darin werden alle deine Aufgaben und Tätigkeiten notiert und dein Ausbilder überprüft es regelmäßig.

Vor Ablauf des zweiten Ausbildungsjahres absolvierst du eine Zwischenprüfung. Sie besteht aus 2 Arbeitsaufgaben sowie einem Fachgespräch. Die Abschlussprüfung, die aus einem praktischen und einem schriftlichen Teil besteht, legst du am Ende deiner Ausbildung ab. Nach Bestehen darfst du dich staatlich anerkannter Binnenschiffer nennen.

Genauere Informationen zu Inhalten und Ablauf der Ausbildung findest du in der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Binnenschiffer. Das AZUBIYO-Ausbildungs­lexikon gibt dir einen Einblick in die Themen, die dich als Azubi erwarten. 

Ausbildungslexikon Floristin

Das lernst du in der Ausbildung zum Binnenschiffer:

  • Geografie: Als Binnenschiffer benötigst du umfassende Geografie-Kenntnisse, speziell über das europäische Wasser­straßen­netz und seine Nutzungsmöglichkeiten.

  • Hydraulik: In der Maschinen- und Motorentechnik bezeichnet dieser Begriff eine spezielle Getriebeart. Dabei bewegt eine unter Druck stehende Flüssigkeit einen Kolben, wodurch ein Motor angetrieben wird. 

  • Navigation: Um ein Schiff schnell und sicher zu navigieren, muss man seinen Kurs, seine exakte Position und Geschwindigkeit kennen. Auch moderne Technik wie GPS, Radar und Internet kommen dabei zum Einsatz.

Du hast noch nicht genug? Dann könnte eine Weiterbildung als Logistikmeister oder als Technischer Fachwirt etwas für dich sein. Mit der (Fach-)Hochschulreife in der Tasche lockt dich vielleicht auch ein Studium im Fach Nautik, in Schiffbau, Meerestechnik, in Schiffs­betriebs­technik oder in Schiffs-, Reedereimanagement, Hafenwirtschaft.

Binnenschiffer: Voraussetzungen für die Ausbildung

Das AZUBIYO-Ausbildungsradar zeigt dir, welcher Schulabschluss, welche Schulfächer und persönlichen Stärken gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ausbildung bilden und welche Arbeitsbedingungen für den Binnenschiffer typisch sind:

Welchen Schulabschluss haben Ausbildungsanfänger?

Abitur/Fachabitur
15%
Mittlere Reife
48%
Hauptschulabschluss
32%
Kein Abschluss
5%
Quelle: "Datenbank Auszubildende" des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Erhebung zum 31. Dezember)

Hilfreich sind gute Noten in:

Geografie / Erdkunde
Mathematik
Werken / Technik

3 wichtige Stärken:

Sorgfalt & Genauigkeit
Verantwortungs- & Gefahrenbewusstsein
Selbstorganisation

Diese Arbeitsbedingungen können auf dich zukommen:

Umfeld: In der freien Natur / im Freien
Nachtarbeit
Körperliche Beanspruchung

Laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) startet rund die Hälfte aller Azubis mit einem mittleren Schulabschluss in die Ausbildung zum Binnenschiffer bzw. zur Binnenschifferin. Ein Drittel bringt den Hauptschulabschluss mit, jeder sechste angehende Azubi die Hochschulreife. Die wenigsten Ausbildungsanfänger besitzen gar keinen Schul­­abschluss.

Solide Mathematik-Kenntnisse solltest du als Binnenschiffer z.B. für die Berechnung des Treib- und Betriebsstoffverbrauchs vorweisen. Wer in der Schule in Geografie/Erdkunde gut aufgepasst hat, tut sich beim Steuern und Navigieren des Schiffes leichter und kann mit Wasserstraßenkarten besser umgehen. Eine gute Note in Werken/Technik lässt darauf schließen, dass du Ver­ständnis und ein Händchen für die technischen Anlagen an Bord mitbringst. Ihre Bedienung und Wartung stellt somit sicher kein Problem für dich dar.

Als Binnenschiffer solltest du über ausgeprägtes Verantwortungs- und Gefahrenbewusstsein verfügen. Schließlich liegt die Sicherheit der teuren Fracht bzw. der Passagiere in deinen Händen. Du trägst Sorge dafür, dass es nicht zu Unfällen oder Havarie kommt. Besondere Sorgfalt und Genauigkeit legst du an den Tag, wenn es z.B. um die Kontrolle des Ölstands oder der Ladepapiere geht. Die Transport- und Unfallverhütungsvorschriften hältst du streng ein. Auch die Selbstorganisation sollte zu deinen persönlichen Stärken zählen. Gibt es ein Problem an Deck, im Elektro- oder Maschinenbereich, kommt es darauf an, dass du eigenständig den Fehler diagnosti­zieren und reparieren kannst.

Dein Arbeitsumfeld als Binnenschiffer wechselt mit deinen vielfältigen Aufgaben. Bei der Arbeit an Deck hältst du dich z.B. im Freien auf und bist der Witterung ausgesetzt. Im Maschinenraum kann es laut und heiß zugehen.

Auch die Arbeitszeit richtet sich nach der Branche und der konkreten Arbeitsstelle. Im Güterverkehr ist Nacht- sowie Sonn- und Feiertagsarbeit nicht unüblich. Einige Binnenschiffer wohnen sogar per­ma­nent auf ihrem Schiff. Auf Fluss­kreuz­fahrt kann das Schiff zumindest über einen längeren Zeitraum zu deinem schwimmenden Zuhause werden.

Zu den besonderen Arbeitsbedingungen gehört, je nach Tätigkeit, das Tragen von Schutzkleidung, da es vorkommen kann, dass du mit Schmier- und Reinigungsmitteln sowie Ölen oder Lacken in Kontakt kommst. Gerade das Laden und Löschen (Entladen) von Gütern stellt eine große körperliche Beanspruchung dar. Hier sind tatkräftiges Mitanpacken und Einsatzbereitschaft gefragt.

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Bildnachweis: „Containerschiff im Nord-Ostsee-Kanal" © PhotoSG / Fotolia