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Beruf Sportdirektor- Es geht um Millionen & ohne Ausbildung

„Ich kenne nur zwei vernünftige Menschen: Robert Schwan am Vormittag und Robert Schwan am Nachmittag.“ Jene Aussage stammte von Robert Schwan höchstpersönlich, dem ersten professionellen Manager im deutschen Fußball. Dieser arbeitete von 1964 bis 1977 für den Fußballclub Bayern München und verhalf mit seinen Leistungen dem heutigen Rekordmeister zum wirtschaftlichen sowie sportlichen Aufschwung.

Der Sportdirektor prägt den Verein

Der Beruf des Sportdirektors bzw. des Fußballmanagers entstand im Zuge gezielter Professionalisierungsmaßnahmen in der Bundesliga, da der Fußball unaufhaltsam an gesellschaftlicher Bedeutung gewann. Es galt als notwendig, eine Position einzuführen, die für administrative Angelegenheiten eines Vereines zuständig war.

Zu den wichtigsten Aufgaben eines Sportdirektors gehören:

  • Erstellung von Terminplänen (z.B. Buchungen von Trainingslagern, An- und Abfahrten)
  • Organisation von Unterkünften bei Auswärtsspielen
  • Zusammenstellung des Kaders

Besonders die Zusammenstellung des Kaders ist eine ungemein wichtige Funktion. Schließich prägen die Spieler das Bild eines Vereins und fungieren als Identifikationsfiguren für die Fans. Schlussendlich können auch nur die Spieler Siege einfahren. Deswegen muss ein Sportdirektor Fußballer einkaufen, die zu dem Verein spielerisch, charakterlich und finanziell passen, um gesetzte Ziele erreichen zu können.

Probieren geht über Studieren

Ein Verein steht und fällt mit den Entscheidungen des Managers. Es handelt sich dabei um einen komplexen Beruf, der nicht nur Fußballverständnis und Kontaktfreudigkeit voraussetzt, sondern auch wirtschaftliches Kalkül verlangt. Somit ist das Amt des Sportdirektors einer der wichtigsten Posten im Profifußball. Desto überraschender ist die Tatsache, dass bis dato keine Ausbildungsmöglichkeiten zum Managerposten existieren. Folglich kann theoretisch jeder diese Position ausüben. Einzig eine Trainerausbildung wird verlangt, aber Studien, Lehren oder Prüfungen sind allesamt nichtig. Oftmals werden diese Stellen deshalb einfach an namenhaften Ex-Spieler vergeben, die sich auf dem Gebiet der Wirtschaft meist erstmalig probieren. Der Bekanntheitsgrad ist teilweise entscheidender als die Qualifikation.

Ohne Moos nix los

Doch haben die Manager ihr Amt zufriedenstellend geleitet? In den letzten Jahren gab es oftmals Schwierigkeiten mit den Lizensierungen eines Vereins und immer häufiger mussten Klubs Insolvenz beantragen bzw. waren kurz davor. Zudem änderten aufkommende Wirtschaftskrisen die Bereitwilligkeit des Geldflusses. Investoren und Banken wollen von Fußballmanagern bei der Vergabe von Krediten seriöse Gewinn- und Verlustrechnungen dargelegt bekommen, ein bekanntes Gesicht ohne Kompetenzen reicht da nicht aus.

Die neue Generation Fußballmanager

Ein schleichender Wandel durchzieht die Ligen. Dies ist an den letzten Personalentscheidungen der Vereine bzw. an dem Engagement von ehemaligen Spielern bei der Besetzung des Managerpostens zu erkennen. Zum Beispiel führt in Mainz der gelernte Bankkaufmann Christian Heidel das Amt des Sportdirektors aus – ohne Metier als Profispieler. In München absolvierte der ehemalige Fußballer Christian Nerlinger ein BWL-Studium, bevor er den Managerposten antrat. Selbst Oliver Kahn lehnte nach seinem Karriereende  als Torwart ein Angebot für das Sportdirektoramt bei Schalke 04 ab, um erst einmal ein Studium absolvieren zu können.

Zudem bieten einige Fachhochschulen in Form von Zertifikaten  theoretische Grundlagenkurse speziell für das Fußballmanagement an. In Kursen werden Themen wie Betriebswirtschaftslehre, Recht, Marketing, Vereinswesen oder Sponsoring behandelt. Diese Angebote nutzen immer häufiger Sportler (z.B. Michael Preetz, Sportdirektor von Hertha BSC Berlin) aber auch Nicht-Sportler, um ihre Vita aufzuwerten.

Sportdirekter in der Bundesliga – endlich ein Beruf für Jedermann?

Auch wenn die Anforderungen für die Sportdirektorposten gestiegen sind, wird primär das Amt in der Hand von ehemaligen Profi-Spielern bleiben, da eine Bindung zum Fußball eigentlich ebenso unerlässlich ist wie die wirtschaftlichen Kompetenzen. Als ehemaliger Fußballspieler kennt er die internen Abläufe im Verein, er weiß, wie Spieler ticken und wie eine Mannschaft am besten funktioniert. Das zeigten in der Vergangenheit bereits Sportdirektoren wie Klaus Allofs (Werder Bremen), Michael Zorc (Borussia Dortmund) oder Dieter Hoeneß (ehemalig Bayern München), die ohne Qualifikationen ihre Vereine erfolgreich managten.

Für Laien ist die Position als Sportdirektor daher auch in naher Zukunft wohl noch nicht greifbar. Aber Martin Bader, Fußballmanager vom 1.FC Nürnberg, beweist auch, dass Ausnahmen in der Regel vorkommen. Er war kein Fußballer, studierte ausschließlich Diplom Sportökonomie.

Dieser Artikel bezieht sich vor allem auf die ersten 3 Ligen der Fußballbundesliga. In den unteren Klassen erhöht sich die Chance für Laien als Fußballmanager Anstellungen zu finden. Und wer weiß: Vielleicht geht der Weg dann ganz schnell nach oben. Diese Entwicklung ist definitiv noch nicht abgeschlossen.

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Bildnachweis: Fussball © steevy84 / Fotolia