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Berufe ohne Ausbildung

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Berufe ohne Ausbildung, aber mit Studium

Manche Berufe in Deutschland sind an die Anerkennung bestimmter Qualifikationen geknüpft. Das bedeutet, dass du manche Berufe ohne eine entsprechende Ausbildung nicht ausüben darfst. Die Regeln dafür sind teilweise vom deutschen Staat oder von bestimmten Verordnungen abhängig. Für welche Berufe ohne Ausbildung du ein Studium oder Staatsexamen benötigst, das erklären wir dir hier.

Warum sind manche Berufe reglementiert?

Die Reglementierung mancher Berufe soll zum einen dem Verbraucherschutz und zum anderen dem Schutz von Leben und Gesundheit dienen. 

Zusätzlich soll eine Reglementierung:

  • Vertrauen in Recht und Ordnung stärken
  • Gesetze schützen
  • Verkehrssicherheit von Maschinen, Anlagen, Fahrzeugen und Bauwerken sicherstellen

Manche Berufe wie Ingenieure oder Ärzte werden mit einem Staatsexamen abgeschlossen und andere wiederum mit der Prüfung an einer Hochschule.

Damit ein Ingenieur-Studierender (m/w/d) nach dem Studium arbeiten darf, muss er oder sie die notwendige Qualifikation nachweisen. Das passiert durch den Abschluss des Studiums an der entsprechenden Hochschule. Bestehen sie die Prüfung nicht, dürfen sie den Beruf als Ingenieur oder Ingenieurin nicht ausüben, obwohl sie das gesamte Studium absolviert haben. Das Vorgehen soll verhindern, dass später Fehler passieren, die andere Menschen gefährden.

Was ist ein Staatsexamen?

Das Staatsexamen ist eine Abschlussprüfung, die vor einer staatlichen Prüfungsbehörde abgelegt wird.

In diesen Bereichen wird ein Staatsexamen zur Ausübung des Berufs benötigt:

  • Medizin
  • Lehramt
  • Jura
  • Pharmazie

Mit dieser besonderen Abschlussprüfung will der deutsche Staat die Qualität von Ärzten, Lehrern oder Juristen sicherstellen. Alle Studenten sollen in der Lage sein, ihr Wissen einheitlich der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Das Staatsexamen ist das Qualitäts-Management der Bundesrepublik Deutschland.

Es gibt ein 1. und ein 2. Staatsexamen. Je nach Studiengang ist auch der Verlauf des Staatsexamens unterschiedlich.

Wenn du Lehrer oder Lehrerin werden möchtest, hast du dich für das Studienfach Lehramt entschieden. Das Staatsexamen findet hier bereits nach 6 bis 9 Semestern statt. Also nach etwa 3 - 4,5 Jahren Studienzeit. Für angehende Ärzte und Ärztinnen findet die erste Prüfung sogar nach 10 bis 12 Semestern statt. Ein Semester dauert immer ein halbes Jahr. Das bedeutet, dass Medizinstudenten (m/w/d) zunächst 5 - 6 Jahre studieren, bevor sie zum 1. Staatsexamen zugelassen sind.

Nach dem 1. Staatsexamen erfolgt in der Regel der praktische Teil des Studiums. Bei Lehrern heißt der praktische Teil Referendariat. Es dauert 2 Jahre und endet mit einer weiteren Staatsexamensprüfung.

Das Staatsexamen ist ein Abschluss, aber kein akademischer Grad. Dafür musst du weitere Leistungsnachweise erbringen und Prüfungen ablegen. Wer das Staatsexamen beim ersten Versuch nicht schafft, kann sich zu einem zweiten Versuch anmelden. Ein dritter Anlauf ist nur in Ausnahmefällen möglich.

Studien-Berufe ohne Ausbildung (mit und ohne Staatsexamen)

Wir haben hier für dich eine Übersicht aller Beruf ohne Ausbildung zusammen gestellt, die du nur mit Studium ausüben darfst. Hier kannst du sehen, für welche Berufe du ein Staatsexamen benötigst oder nicht.

Berufe mit Staatsexamen

  • Arzt/ Ärztin
  • Apotheker/-in
  • Fachapotheker/-in
  • Facharzt/Fachärztin
  • Fachtierarzt/Fachtierärztin
  • Fachzahnarzt/Fachzahnärztin
  • Kinder- und Jugendtherapeut/-in
  • Lebensmittelchemiker/-inLehrer/-in
  • Medizinphysiker/-in
  • Notar/-in
  • Patentanwalt/-anwältin
  • Psychoanalytiker/-in
  • Psychologe/-in
  • Psychotherapeut/-in
  • Rechtsanwalt/-anwältin
  • Richter/-in
  • Sportarzt/Sportärztin
  • Staatsanwalt/-anwältin
  • Tierarzt/Tierärztin
  • Wirtschaftsprüfer/-in
  • Zahnarzt/Zahnärztin

Hochschulberufe

  • Algesiologe/-in
  • Architekt/-in
  • Ingenieur/-in
  • Innenarchitekt/-in
  • Ingenieurinformatiker/-in
  • Kartograf/-in
  • Konstruktionsingenieur/-in
  • Landschaftsarchitekt/-in
  • Nautiker/-in
  • Patentingenieur/-in
  • Produktionsingenieur/-in
  • Projektingenieur/-in
  • REFA - Ingenieur/-in
  • Schweißfachingenieur/-in
  • Sozialpädagoge/-pädagogin
  • Stadt- und Regionalplaner
  • Vermessungsingenieur/-in
  • Vertriebsingenieur/-in
  • Wirtschaftsingenieur/-in

Im Rahmen der Bologna-Reform wurde 1999 eine Erklärung unterzeichnet, welche das Hochschulwesen in Europa grundlegend verändert hat. Das wichtigste Ziel der Reform war die Herstellung international vergleichbarer Studienabschlüsse, um den Studierenden den Zugang zum internationalen Arbeitsmarkt zu erleichtern.

Um sicherzustellen, dass Wissen und Qualität des Wissens gleichbleibend ist, wurden einige Studienberufe reglementiert, was so viel wie „geschützt“ bedeutet. Das bedeutet, dass nur Absolventen der Hochschule mit einer erfolgreichen Abschlussprüfung oder mit einem Staatsexamen diese Berufe ausüben dürfen.

Weitere Infos

Bildnachweis: „Gruppe von Studenten sitzt in Treppenhaus" © Vasyl - stock.adobe.com