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Textil- und Modeschneider / Textil- und Modeschneiderin
Ausbildung & Beruf

Ausbildung Textil- und Modeschneider

„Hm, die sieht aber ganz schön klein aus“, sagt deine Kollegin. Du stimmst ihr zu: Die vor euch liegende Hose wirkt etwas zu klein geraten für eine 38. Du nimmst dein Maßband heraus und überprüfst sofort die Konfektionsgröße. Da stimmt tatsächlich etwas nicht. Aber woran liegt es? Sind Fehler in den Maßtabellen aufgetreten oder wurde die Nahtzugabe nicht beachtet? Als Textil- und Modeschneider im Schwerpunkt Arbeitsvorbereitung und Qualitätsprüfung ist es jetzt deine Aufgabe, die Ursachen zu finden und Maßnahmen zu erarbeiten, um dies in Zukunft zu vermeiden.

Berufsbild Textil- und Modeschneider / Textil- und Modeschneiderin

Was macht ein Textil- und Modeschneider (m/w/d)?

Das Berufsbild Textil- und Modeschneider / Textil- und Modeschneiderin ist sehr vielfältig. Die Hauptaufgabe von Textil- und Modeschneidern ist das Erstellen von Schnittmustern für die Kollektions- und Serienfertigung. Sie stellen Prototypen und Modelle für Bekleidungsartikel oder andere Textilwaren her. Dazu planen sie den ganzen Vorgang der Produktion, bereiten die Fertigung vor und führen auch Qualitätsprüfungen durch. Ein wichtiger Schritt ist hierbei die Ermittlung der Parameter zum Schweißen oder Kleben von Textilien. Außerdem achtest du als Textil- und Modeschneider darauf, Sicherheitsbestimmungen einzuhalten und Erzeugnisse fachgerecht zu lagern und versandfertig zu machen. Teil deiner Arbeit ist es auch, die Modenäher einzuweisen.

Je nachdem welchen Tätigkeitsschwerpunkt du wählst, hast du als Textil- und Modeschneider andere Aufgaben. Im Schwerpunkt Prototypen und Serienfertigung konzentrierst du dich darauf, beispielsweise Bekleidungsartikel zu fertigen. Du fertigst die Prototypen nach deinen Skizzen und Modellbeschreibungen an. Eventuell ist es auch nötig, Modellfehler zu analysieren und diese gegebenenfalls zu korrigieren. Darüber hinaus richtest du Maschinen und Anlagen ein. Du wählst die passenden Maschinen für den jeweiligen Produktionsprozess aus und bereitest sie vor. Weiter ermittelst und legst du Prozessdaten für programmgesteuerte Maschinen und Anlagen fest und gibst diese später ein. Je nach Material und Modelltyp setzt du auch Spezialmaschinen und Automaten ein.

Im Schwerpunkt Arbeitsvorbereitung und Qualitätsprüfung bereitest du unter anderem die Serienfertigung vor. Du erstellst technische Unterlagen und wendest diese später an. Dazu erstellst und aktualisierst du Modellbeschreibungen, Verarbeitungsanweisungen und Maßtabellen. Zu deinen Aufgaben gehört es auch, Stücklisten, Materialbedarfslisten und Farbzuordnungen zu erstellen. Für externe Produktionen bereitest du Aufträge vor, vergleichst und ermittelst Fertigungskosten sowie Material- und Lohnkosten. In diesem Schwerpunkt sind gesetzliche Vorgaben relevant, du achtest stets darauf, dass diese eingehalten werden. Um Artikel auf Qualität zu prüfen, führst du stichpunktartige Prüfungen auf Reißfestigkeit oder Dehnbarkeit durch. Die Ergebnisse bewertest und dokumentierst du sorgfältig. Sollten Fehler auftreten, analysierst du die Ursachen und erarbeitest Maßnahmen, um diese zu beheben. 

Entscheidest du dich für den Schwerpunkt Schnitttechnik, schneidest du Werk- und Hilfsstoffe zu. Dazu analysierst du Schnittbilder und passt diese an die gegebenen Materialbeschaffenheiten an. Du wandelst Grundschnitte ab und erstellst manuell oder mithilfe von speziellen Computerprogrammen Schnittlagebilder. Darüber hinaus erarbeitest und optimierst du als Textil- und Modeschneider Lege- und Zuschnittanweisungen für die Produktion.

Wie sieht der Berufsalltag als Textil- und Modeschneiderin aus?

Im Berufsalltag von Textil- und Modeschneidern gibt es viele verschiedene Aufgaben. Zu Beginn einer Produktion steht immer die Arbeitsvorbereitung. Die Textil- und Modeschneiderinnen vergleichen Arbeitsmaterialien und treffen anhand von Qualität und Preis eine Entscheidung. Anschließend werden die Fertigungskosten berechnet, die sowohl Materialkosten als auch Löhne umfassen.

Dann beginnen die Textil- und Modeschneiderinnen mit ihrer eigentlichen Arbeit: Sie analysieren die Grundschnitte und arbeiten modellbezogene Besonderheiten heraus. Die Textil- und Modeschneiderinnen bestimmen dabei auch die Verarbeitungstechnik, also welche Stich-, Nadel-, Garn- und Nähmaschinentypen eingesetzt werden sollen. Das ist sehr wichtig, da z. B. manche Nadeln bei harten Stoffen wie Denim oder Leder abbrechen.

Nachdem sie auch die Lege- und Zuschnittanweisungen erarbeitet haben, versuchen sie diese im Team noch weiter zu optimieren, um den Nähern ihre Arbeit zu vereinfachen. Bevor die Produktion beginnen kann, stellen die Textil- und Modeschneider ein Modell her, das zur Orientierung dient. Nun geben sie ihre erarbeiteten Ergebnisse an die Textil- und Modenäher weiter und stehen ihnen für weitere Fragen zur Verfügung. Wie dein Arbeitstag jedoch genau aussieht, hängt von deinem gewählten Schwerpunkt ab.

Entscheidest du dich für den Beruf Textil- und Modeschneiderin solltest du mit täglicher Handarbeit zurechtkommen. Beispielsweise schneidest oder nähst du Material zu. Hier ist Sorgfalt und Präzision gefragt. Darüber hinaus verwendest du aber auch technische Geräte, Anlagen und Maschinen wie Bügel- oder Nähmaschinen. Diese bedienst und überwachst du außerdem. Für die Planung und Fertigungsvorbereitung befindest du dich auch am Computer.

In der Regel bist du in Produktionsräumen und Modellateliers tätig. Hier solltest du mit Textilstaub oder chemischen Gerüchen umgehen können.

Wo arbeitet ein Textil- und Modeschneider?

Die meisten Textil- und Modeschneider arbeiten in Betrieben in der industriellen Herstellung von Bekleidung oder Tisch- und Bettwäsche. Manche sind aber auch in Musterateliers tätig.

Ausbildung zum Textil- und Modeschneider / zur Textil- und Modeschneiderin

Wie läuft die Ausbildung zum Textil- und Modeschneider ab?

In deiner Ausbildung bist du im Wechsel in Betrieb und Berufsschule. Im Betrieb lernst du die praktische Seite deines Berufs kennen und übernimmst konkrete Aufgaben. In der Berufsschule wird dir das theoretische Hintergrundwissen vermittelt. Während deiner Ausbildung führst du als Ausbildungsnachweis ein Berichtsheft über deine Aufgaben und Tätigkeiten.

Deine Abschlussprüfung besteht aus 2 Teilen. Teil I der Abschlussprüfung wird zum Ende des 2. Ausbildungsjahres abgelegt. Am Ende deiner Ausbildung folgt dann Teil II der Abschlussprüfung. Nach Bestehen deiner Prüfung darfst du dich staatlich anerkannter Textil- und Modeschneider nennen.

Weitere Infos zu den Inhalten und dem Ablauf der Ausbildung findest du in der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Textil- und Modeschneider.

Art der Ausbildung

dual (Berufsschule und Betrieb), auch schulisch möglich

Dauer der Ausbildung

3 Jahre, Verkürzung auf 2-2,5 Jahre möglich

Zuständige Stelle

IHK

Was lernt man in der Ausbildung zum Textil- und Modeschneider?

In deiner dualen Ausbildung befindest du dich im Wechsel in Betrieb und Berufsschule. Im Betrieb lernst du unter anderem, wie man Schnittteile zuordnet und Schnitte für Kleinteile erstellt. Außerdem vermittelt man dir, wie man Fehler beim Legen, Schneiden und Stanzen feststellt und welche Maßnahmen dagegen ergriffen werden können.

In der Berufsschule wirst du zum einen in allgemeinbildenden Fächern wie Deutsch und Wirtschafts- und Sozialkunde unterrichtet. Darüber hinaus lernst du berufsspezifische Lernfelder kennen. Dir wird gezeigt, wie man Modelle für besondere Einsatzgebiete fertigt oder wie man Prototypen optimiert.

Je nachdem welchen Schwerpunkt du gewählt hast, wirst du zusätzlich natürlich unterschiedliche Kenntnisse erwerben.

Textil- und Modeschneider: Voraussetzungen für die Ausbildung

Hier zeigen wir dir, mit welchem Schulabschluss, welchen Schulfächern und Stärken du besonders gute Chancen auf eine Ausbildungsstelle hast, und welche Arbeitsbedingungen in diesem Beruf typisch sind:

Textil- und Modeschneider / Textil- und Modeschneiderin kannst du theoretisch mit jedem Schulabschluss oder sogar ohne Abschluss werden. Die Mehrheit der Azubis hat den Realschulabschluss, wie das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) erhoben hat. Danach folgen Azubis mit (Fach-)Abitur und ein kleinerer Teil mit Hauptschulabschluss.

Schulfächer

  • Kunst
  • Werken
  • Mathe

Stärken

  • Gestalterische Fähigkeiten
  • Handwerklich-technisches Geschick
  • Sorgfalt & Genauigkeit

Arbeitsbedingungen

  • Umfeld: Atelier, Künstlerwerkstatt
  • Feste Zeiten
  • Dienstreisen nur in Ausnahmefällen

Gute Noten und Kenntnisse in Kunst und Werken zahlen sich bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz aus, denn sie helfen dir z. B. beim Erstellen von Modellskizzen und Prototypen. Auch gute Kenntnisse in Mathe können bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz hilfreich sein, beispielsweise um den Materialverbrauch zu berechnen. Aber gute Noten in diesen Fächern sind kein Muss. Am wichtigsten ist, dass du ein großes Interesse und die passenden Stärken für die Ausbildung zur Textil- und Modeschneiderin mitbringst. Neben gestalterischen Fähigkeiten ist in diesem Beruf vor allem ein handwerklich-technisches Geschick von Vorteil, zum Beispiel beim Entwerfen von Schablonen für Zuschnitte und Fertigung. Außerdem helfen dir eine sorgfältige und genau Arbeitsweise in deiner Ausbildung zum Textil- und Modeschneider.

Textil- und Modeschneiderin ist ein handwerklicher Beruf, daher ist dein Arbeitsumfeld größtenteils ein Atelier, z. B. einem Betrieb der industriellen Bekleidungs- und Textilfertigung. In der Regel hast du feste Arbeitszeiten und Dienstreisen fallen nur in Ausnahmefällen an.

Wie viel verdient man als Textil- und Modeschneiderin in der Ausbildung?

Als Textil- und Modeschneider bzw. Textil- und Modeschneiderin kannst du in deiner Ausbildung im Schnitt mit folgenden Ausbildungsvergütungen rechnen:

  • im 1. Ausbildungsjahr: 798 Euro
  • im 2. Ausbildungsjahr: 863 Euro
  • im 3. Ausbildungsjahr: 959 Euro

Du möchtest gerne mehr über das Gehalt als Textil- und Modeschneiderin erfahren? Hier geht es zur Gehaltsseite.

Blick hinter die Kulissen: Erfahrungsberichte von Azubis

Passt die Ausbildung zum Textil- und Modeschneider / zur Textil- und Modeschneiderin zu mir?

Der Beruf Textil- und Modeschneider passt super zu dir, wenn

  • du präzise und sorgfältig arbeiten kannst
  • du dich für Mode oder andere Textilwaren interessierst
  • du gerne mit Nähmaschinen umgehst
  • dir praktische Arbeiten liegen

Ein anderer Beruf ist besser geeignet, wenn

  • du lieber im Büro arbeiten möchtest
  • du handwerklich ungeschickt bist
  • dich Technik überhaupt nicht interessiert

Alles im grünen Bereich? Dann mach den Berufswahltest und finde heraus, zu wie viel Prozent diese Ausbildung tatsächlich zu dir passt. → Jetzt Eignung testen! Du bist dir schon sicher, dass es dein Traumberuf ist? Dann findest du hier freie Ausbildungsplätze ↓

Eine Tätigkeit im Bereich Mode und Bekleidung kannst du dir gut vorstellen, aber du bist noch nicht sicher, welcher Beruf am besten zu dir passt? Dann schau dir noch folgende verwandte Berufe an:

Weiterbildung & Zukunftsaussichten

Nach Abschluss deiner Ausbildung hast du zahlreiche Fortbildungsmöglichkeiten, zum Beispiel durch eine Weiterbildung zum Industriemeister für Textilwirtschaft oder zum Techniker für Bekleidungstechnik. Wenn du das (Fach-)Abitur hast, könntest du aber auch über ein anschließendes Studium nachdenken, zum Beispiel in den Bereichen Modedesign oder Textil- und Bekleidungstechnik.

Bei Weiterbildungen unterscheiden wir zwischen 3 verschiedenen Wegen:

  • Anpassungsfortbildung
  • Aufstiegsfortbildung
  • Studium

Weiterbildung nach der Ausbildung zum Textil- und Modeschneider / zur Textil- und Modeschneiderin

Bei Anpassungsfortbildungen geht es darum, dein Wissen aktuell zu halten, um beispielsweise neue Entwicklungen in Bereichen wie Bekleidungsherstellung, Textildesign oder CAD kennenzulernen.

 

Mit einer Aufstiegsfortbildung willst du Karriere machen. Hierfür kannst du eine Weiterbildung zum Industriemeister – Textilwirtschaft, zum Techniker – Bekleidungstechnik, zum Produktentwickler (Mode) oder zum Schnitt-, Entwurfs- und Fertigungsmodelleur anschließen.

 

Auch der Weg über ein Studium eignet sich als Textil- und Modeschneider. Passende Studiengänge sind: 

Nachhaltigkeit & Zukunftsaussichten als Textil- und Modeschneider

Die Digitalisierung macht natürlich auch vor der Textil- und Bekleidungsindustrie nicht Halt: Bereits jetzt sind Nähroboter, sogenannte Sewbots, im Einsatz, die beispielsweise bei der Herstellung von Bettlaken, Bettvorlagen oder auch Mund-Nasen-Schutz unterstützen. Auch anspruchsvolle Kurvennähte, beispielsweise für Autositzbezüge, werden teilweise bereits durch vollautomatisierte Nähsysteme übernommen. Für Fachkräfte in der Textilindustrie ändern sich hier Arbeitsabläufe aber auch technische Anforderungen.

Interessant ist auch die Entwicklung zur Wearable IT. Darunter versteht man Bekleidung, die mit Technik ausgestattet ist. Über Sensoren werden Informationen wie Blutdruck, Puls und Herzfrequenz gesammelt und gemessen. Zunehmend zum Einsatz kommt Wearable IT beispielsweise in der Pflege und Betreuung von Patienten: Bei einem Sturz können Kleidungsstücke dies sofort registrieren und Notrufe absetzen.

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Weitere Infos

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