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Berufe-Simulatoren – in der Freizeit arbeiten

Was haben LKW-Fahrer, Bauarbeiter, Chirurgen, Landwirte, Polizisten und Jäger gemeinsam?

All diese Berufe gibt es als Simulationsspiele für den Computer. Dank dieser Games können Spieler bequem vor dem heimischen PC eine Herzoperation durchführen, Bus oder LKW fahren oder sogar eine Kehrmaschine zur Müllbeseitigung manövrieren. Nischenprodukte? Überraschenderweise findet dieses Genre eine hohe Akzeptanz bei der Käuferschaft. Die Verkaufszahlen untermauern dies: Der Landwirtschafts-Simulator 2017 zählt zu den erfolgreichsten PC-Spielen und überschritt die 200.000-Marke bereits in der ersten Woche. Er gilt bis heute als Dauerbrenner unter den PC-Spielen.

Sähen, pflügen, ernten

Diese 3 Verben beschreiben im Grunde schon die Aufgaben im Landwirtschafts-Simulator. Es reichen eigentlich stets 3 Wörter aus um nahezu jeden Berufe-Simulator zu erklären, da auf narrative Handlungsstränge, entwicklungsfähige Charaktere, Highscores, Tempo oder Leistungsdruck gerne verzichtet wird. Im Vordergrund soll allein die Beschäftigung stehen. Im Busfahrer-Simulator wird Bus gefahren, im Chirurgen-Simulator operiert und im Kehrmaschinen-Simulator Dreck zur Seite geräumt. Das geschieht alles in eintönigen Endlosschleifen ohne Höhepunkte und dazu auch noch stark simplifiziert. Ein Medizin-Studium dauert beispielsweise in der Wirklichkeit locker 12 Semester, im Chirurgen-Simulator reichen 4 Minuten Tutorial, um an Patienten digital rumschnippeln zu dürfen und es auch zu können.

Von kindlicher Faszination bis hin zum Eskapismus

Doch wieso will man Berufe, besonders jene die gesellschaftlich nicht unbedingt als Traumberuf gelten, virtuell ausüben? Um das Wieso verstehen zu können, sollte man wissen, Wer hauptsächlich Berufe-Simulatoren spielt. Das sind größtenteils Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 14 Jahren und Männer ab 35 Jahren.

Bei letztgenannter Käufergruppe könnte es sich um eine neue Form von Eskapismus handeln. Unter Eskapismus versteht man die Flucht aus der Realität. Manche versuchen mittels Berufe-Simulatoren dem harten und komplizierten Alltag zu entkommen und geistig abzuschalten. Das Spielen besitzt nämlich eine sehr entspannende Funktion und verhilft daher zur Stressminderung. Wenige aufregende Missionen und einfach eingeholte Erfolge verstärken diesen Effekt. Deswegen werden zum Beispiel komplexe Berufe wie die der Ärzte ziemlich simpel dargestellt.

Aber auch Neugierde und Wissensdrang spielen eine Rolle. Einige Menschen nutzen Spiele zur Informationsbeschaffung. In diesem Fall spielen sie Simulatoren, um über ein bestimmtes Berufsbild Erfahrungen einzuholen. Ihnen ist es vor allem wichtig, dass Berufe-Simulatoren Authentizität besitzen. Die Tätigkeiten sollten daher nicht zu abstrakt abgebildet werden und dazugehörige Maschinerien sowie Fahrzeuge oder Werkzeuge beinhalten, bestenfalls als lizenzierte Markenmodelle.

Die Maschinen und Verkehrsmittel bieten wiederum einen Anreiz für Kinder und Jugendliche. Wer spielte damals nicht gerne mit Autos, Baggern und Kränen im Sandkasten oder träumte davon mit Abrissbirnen zu hantieren? Nun kann die junge Generation dies virtuell ausüben. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Mehrheit aller Programme Berufe simuliert, die hinter einem Steuer ausgeübt werden – z.B. Busfahrer, Trucker oder Lokführer.

Die junge Zielgruppe schlüpft besonders gerne in verschiedenste virtuelle Berufsrollen. Und das ist pädagogisch gar nicht mal so schlecht. Kinder und Jugendliche erhalten durch Berufssimulationen erste Vorstellungen und Kenntnisse über die zugrunde liegenden Berufsbilder. Diese Games können abstrakt auch als virtuelle Berufsberater bezeichnet werden. Aus psychologischer Sicht dient das unbekümmerte Spielen von Simulatoren im jungen Alter als Annäherung an ein späteres reales und dann auch relevantes Handeln.

Bildnachweis: Tastatur mit Pokal, Kompass und Zielscheibe © Robert Kneschke / Fotolia