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Rechtsanwaltsfachangestellter / Rechtsanwaltsfachangestellte
Ausbildung & Beruf

Rechtsanwaltsfachangestellter bei der Arbeit
Rechtsanwaltsfachangestellter bei der Arbeit

Für dich gehört das Klingeln des Telefons zu deiner täglichen Geräuschkulisse. Dennoch bist du vor jedem Telefonat noch immer ein bisschen nervös. Schließlich weißt du nicht, wer dich gerade anruft. Ein neuer Mandant oder eine Behörde? Vielleicht hast du eine wichtige Frist versäumt? Sobald du den Hörer abnimmst, legt sich deine Nervosität und du kannst entspannt das Telefonat annehmen. Tatsächlich meldet sich ein neuer Mandant, der einen Rechtsbeistand benötigt. Nachdem du die ersten Informationen aufgenommen hast, suchst du mit dem Mandanten einen passenden Termin. Um die Übersicht nicht zu verlieren, trägst du den Termin direkt in deinen Kalender ein.

Berufsbild Rechtsanwaltsfachangestellter / Rechtsanwaltsfachangestellte (ReFa)

Was macht ein Rechtsanwaltsfachangestellter (m/w/d)?

Als Rechtsanwaltsfachangestellter (ReFa) unterstützt du als „rechte Hand“ die Rechtsanwälte bei ihren vielfältigen Aufgaben. Du übernimmst beispielsweise organisatorische Aufgaben, indem du Termine koordinierst. Dabei handelt es sich nicht nur im Termine mit Mandanten, sondern beispielsweise auch um Gerichtstermine. Zusätzlich beachtest du die Fristen, sodass rechtzeitig alle Unterlagen bereitliegen. Außerdem fertigst du als ReFa Schriftsätze an, die verschiedene Angelegenheiten betreffen. So setzt du deine Fähigkeiten in den unterschiedlichen Rechtsgebieten ein und erstellst beispielsweise den Schriftsatz für einen Strafprozess.

Auch kaufmännische Tätigkeiten kommen als Rechtsanwaltsfachangestellter auf dich zu. Du berechnest Forderungen für die verschiedenen Angelegenheiten der Mandanten oder leitest bei Verzug der Zahlung ein Mahnverfahren ein. Findet die Mahnung keine Beachtung, leitest du sogar Zwangsvollstreckungen in die Wege. 

Auch die Rechnungen deiner Kanzlei stellst du Mandanten in Rechnung und berechnest hierfür die Gebühren. Für diese Rechnungen überwachst du ebenfalls die Zahlungseingänge und kümmerst dich um die Korrespondenz mit den Mandanten.

Wie sieht der Berufsalltag als Rechtsanwaltsfachangestellter aus?

In deinem Berufsalltag als Rechtsanwaltsfachangestellter bzw. Rechtsanwaltsfachangestellte arbeitest du vorrangig im Büro und kümmerst dich um die Kommunikation mit Mandanten und Behörden. Angst vor dem Telefonieren solltest du in diesem Beruf nicht haben, denn als ReFa telefonierst du täglich mit zahlreichen Menschen. Zusätzlich fertigst du Schriftstücke für verschiedene Angelegenheiten an. Steht beispielsweise ein Mahnverfahren an, setzt du hierfür das Schriftstück auf und versendest dieses.

Konzentration ist dabei unerlässlich, schließlich können kleine Fehler große Auswirkungen auslösen. Fehlt nur ein Wort, kann das gesamte Mahnverfahren ungültig sein.

Bei all den Telefonaten, Schriftstücken und Terminen behältst du ständig den Überblick und vergisst keine Fristen. Mit deinen Fähigkeiten bist du die ideale Unterstützung für Rechtsanwälte. Du entlastest die Anwälte nicht nur, sondern achtest auf die Termineinhaltung und buchst Geschäftsreisen. 

Wo arbeitet man als Rechtsanwaltsfachangestellter?

Mit deiner Ausbildung als Rechtsanwaltsfachangestellter bzw. Rechtsanwaltsfachangestellte arbeitest du vorrangig in Rechtsanwaltskanzleien. Außerdem kannst du deine Fähigkeiten in Inkassobüros oder in den Mahnabteilungen von Versandhäusern einsetzen. Auch bei Banken oder bei Versicherungen findest du Beschäftigung.

Ausbildung zum Rechtsanwaltsfachangestellten / zur Rechtsanwaltsfachangestellten

Wie läuft die Ausbildung zum Rechtsanwaltsfachangestellten ab?

In deiner Ausbildung zum bzw. zur Rechtsanwaltsfachangestellten bist du im Wechsel in Betrieb und Berufsschule. Im Betrieb erlernst du die praktische Seite des Berufsbildes Rechtsanwaltsfachangestellter und übernimmst konkrete Aufgaben. In der Berufsschule wird dir das theoretische Hintergrundwissen vermittelt. 

Während deiner Ausbildung musst du als Ausbildungsnachweis ein Berichtsheft führen. Darin hältst du fest, welche Aufgaben und Inhalte du in deiner Ausbildung erlernst. Dein Ausbilder überprüft dein Berichtsheft regelmäßig.

Am Anfang des zweiten Ausbildungsjahres absolvierst du eine schriftliche Zwischenprüfung, am Ende der Ausbildung wartet die Abschlussprüfung mit 4 schriftlichen Prüfungsteilen (in den Bereichen Geschäfts- und Leistungsprozesse, Rechtsanwendung im Rechtsanwaltsbereich, Vergütung und Kosten, Wirtschafts- und Sozialkunde) und einem mündlichen Prüfungsteil im Fach Mandantenbetreuung auf dich. Nach Bestehen bist du staatlich anerkannter Rechtsanwaltsfachangestellter.

 Weitere Infos zu den Inhalten und dem Ablauf der Ausbildung findest du in der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Rechtsanwaltsfachangestellte.

Art der Ausbildung

dual (Berufsschule und Betrieb)

Dauer der Ausbildung

3 Jahre, Verkürzung auf 2-2,5 Jahre möglich

Zuständige Stelle

Rechtsanwaltskammer

Was lernt man in der Ausbildung zum Rechtsanwaltsfachangestellten?

Während deiner Ausbildung im Ausbildungsbetrieb lernst du, wie du die Gespräche mit Mandanten richtig angehst und wie du Auskünfte erteilst. Außerdem lernst du, wie du Schriftstücke verfasst und den Terminkalender mit allen Terminen und Fristen führst. 

In der Berufsschule lernst du in berufsspezifischen Fächern, wie du beispielsweise gerichtliche Mahnwesen eigenständig bearbeiten kannst. Auch worauf du beim Verfassen von Schriftstücken achten solltest, vermittelt dir die Berufsschule. 

Welche Inhalte und Themen dich unter anderem in deiner Ausbildung erwarten, erklärt dir das AZUBIYO-Ausbildungslexikon:

  • G wie Gerichtskosten: Gebühren für Gerichtskosten berechnen oder Zahlungsvorgänge kontrollieren – als Rechtsanwaltsfachangestellter lernst du wichtige kaufmännische Aufgaben kennen.
  • R wie Rechtspflege: Gesetze, Gesetze, Gesetze: Nach deiner Ausbildung weißt du Bescheid, wie geltendes Recht angewendet und durchgesetzt wird.
  • Z wie Zivilrecht: Fit im BGB: Rechtsanwaltsfachangestellte müssen sich im Zivilrecht, insbesondere im Schuld- und Sachenrecht sowie im Handels- und Gesellschaftsrecht auskennen.

Rechtsanwaltsfachangestellter: Voraussetzungen für die Ausbildung

Hier zeigen wir dir, welche Schulfächer und Stärken besonders wichtig für die Ausbildung sind und welche Arbeitsbedingungen in diesem Beruf typisch sind:

Schulfächer

  • Mathe
  • Deutsch
  • Wirtschaft/ Recht

Stärken

  • Sorgfalt & Genauigkeit
  • Analytische Fähigkeiten
  • Selbstorganisation

Arbeitsbedingungen

  • Umfeld: Büro
  • Feste Zeiten
  • Dienstreisen nur in Ausnahmefällen

Rechtsanwaltsfachangestellter kannst du theoretisch mit jedem Schulabschluss oder sogar ohne Abschluss werden. Mehr als die Hälfte der Azubis hat einen mittleren Schulabschluss, wie das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) erhoben hat. Danach folgen Azubis mit (Fach-)Abitur und ein sehr kleiner Teil hat einen Hauptschulabschluss. Es starten kaum Azubis ohne Schulabschluss in die Ausbildung. 

Mit guten Noten in Wirtschaft/Recht kannst du in dieser Ausbildung auf jeden Fall punkten. Auch gute Mathe- und Deutschkenntnisse können bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz hilfreich sein. Aber gute Noten in diesen Fächern sind kein Muss. Am wichtigsten ist, dass du ein großes Interesse und Neugierde für die Ausbildung zum Rechtsanwaltsfachangestellten mitbringst. Weitere Stärken, die man in diesem Beruf haben sollte, sind organisatorische Fähigkeiten und eine genaue, sorgfältige Arbeitsweise.

Rechtsanwaltsfachangestellter ist ein kaufmännischer Beruf, sodass dein Arbeitsumfeld in der Regel ein Büro ist, also zum Beispiel Rechtsanwaltskanzleien, Inkassobüros oder auch Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Typisch für diesen Beruf sind feste Arbeitszeiten sowie Kontakt mit Mandanten. Dienstreisen kommen meist nur selten vor.

Dein Arbeitsumfeld kann ganz unterschiedlich aussehen, je nachdem in welchem Ausbildungsbetrieb und in welchem Bereich du tätig bist. In einer Anwaltskanzlei vereinbarst du vor allem Termine mit Mandanten und besprichst den Verfahrensablauf mit ihnen. Bei einer Bank bist du dagegen zum Beispiel in der Mahnabteilung tätig und bereitest Schriftstücke für Mahnverfahren vor. Daher solltest du dir genau überlegen, welcher Ausbildungsbetrieb und welches spätere Arbeitsfeld am besten zu dir passen.

Wie viel verdient man als Rechtsanwaltsfachangestellter in der Ausbildung?

Dein Ausbildungsgehalt als Rechtsanwaltsfachangestellte bzw. als Rechtsanwaltsfachangestellter ist nicht einheitlich geregelt, sondern wird von jedem Ausbildungsbetrieb frei vereinbart. Allerdings gibt die Rechtsanwaltskammer Empfehlungen für eine angemessene Ausbildungsvergütung:

  • im 1. Ausbildungsjahr: 550 bis 1.000 Euro
  • im 2. Ausbildungsjahr: 649 bis 1.100 Euro
  • im 3. Ausbildungsjahr: 743 bis 1.200 Euro

Du möchtest gerne mehr erfahren? Hier geht es zur Rechtsanwaltsfachangestellter Gehaltsseite.

Blick hinter die Kulissen: Erfahrungsberichte von Azubis

Passt die Ausbildung zum / zur Rechtsanwaltsfachangestellten zu mir?

Du bist gut geeignet für den Beruf Rechtsanwaltsfachangestellter bzw. Rechtsanwaltsfachangestellte, wenn

  • du dich für Gesetzestexte interessierst
  • du ein Organisationstalent bist
  • du gerne eigenverantwortlich arbeitest

Du bist eher weniger geeignet als Rechtsanwaltsfachangestellte, wenn

  • du nicht permanent sorgfältig arbeiten kannst
  • du keine kaufmännischen Tätigkeiten magst
  • du Probleme im schriftlichen und mündlichen Ausdruck hast

Alles im grünen Bereich? Dann mach den Berufswahltest und finde heraus, zu wie viel Prozent diese Ausbildung tatsächlich zu dir passt. → Jetzt Eignung testen! Du bist dir schon sicher, dass es dein Traumberuf ist? Dann findest du hier freie Ausbildungsplätze ↓

Weiterbildung & Zukunftsaussichten

Nach Abschluss deiner Ausbildung hast du zahlreiche Fortbildungsmöglichkeiten. In Lehrgängen kannst du deine Fachkenntnisse auf den neuesten Stand bringen und erweitern. Oder du machst eine kaufmännische Weiterbildung zum Fachwirt oder Betriebswirt mit Schwerpunkt Recht. Wenn du die Hochschulreife hast, kannst du auch über ein anschließendes Studium nachdenken, zum Beispiel in den Bereichen Rechtswissenschaft, Wirtschaftsrecht oder BWL. Bei Weiterbildungen unterscheiden wir zwischen 3 verschiedenen Wegen:

  • Anpassungsfortbildung,
  • Aufstiegsfortbildung &
  • Studium.

Weiterbildung nach der Ausbildung zum / zur Rechtsanwaltsfachangestellten

Bei Anpassungsfortbildungen geht es darum, dein Wissen aktuell zu halten, um Entwicklungen in den Bereichen Finanz- und Rechnungswesen, Büro und Sekretariat oder Korrespondenz kennenzulernen. 

Mit einer Aufstiegsfortbildung willst du Karriere machen, zum Beispiel durch eine Weiterbildung zum Fachwirt - Recht oder zum Betriebswirt - Recht. Aber auch ein Studium kannst du anschließen.

Passende Studiengänge sind:

  • Rechtswissenschaft
  • Wirtschaftsrecht
  • Öffentliches Recht

Nachhaltigkeit & Zukunftsaussichten als Rechtsanwaltsfachangestellter

Entscheidest du dich für den Beruf Rechtsanwaltsfachangestellter bzw. Rechtsanwaltsfachangestellte, spielen die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz in deinem Arbeitstag keine so große Rolle. Immer öfter unterstützen Arbeitgeber ihre Mitarbeiter dennoch bei nachhaltigen Vorhaben. Beispielsweise stellen Arbeitgeber ein Jobrad oder zahlen das Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel. Und deine Zukunftsaussichten? Deine Fähigkeiten als ReFa sind in jeder Kanzlei unerlässlich. Durch dich können sich Rechtsanwälte auf ihr Kerngeschäft fokussieren. Für dich bedeutet das, dass du unverzichtbar bist und dadurch sicherst du dir gute Zukunftschancen.

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