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Berufe im Mittelalter

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Berufe im Mittelalter: Bäcker hui, Henker pfui

Tapfere Ritter liefern sich einen erbitterten Kampf gegen monströse, feuerspeiende Drachen um die Gunst der holden Prinzessin. Graue Zauberer brauen geheimnisvolle Mixturen in dunklen Gewölben. Angeklagten Hexen und Thronerben widerfahren in Verließen Folterungen. Diese Ausschnitte beschreiben die Welt des Mittelalters, so wie wir sie aus Buch und Film kennen. Natürlich entsprechen solche fantastischen Erzählungen nicht der Wirklichkeit. Doch wie sah diese überhaupt aus? Wie lebten und arbeiteten die Bürger im Mittelalter?

Eines sei an dieser Stelle aber vorweggenommen: Drachen hatten darauf keinen Einfluss. Wir geben dir hier einen Überblick über alte Berufe und Berufe im Mittelalter:

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Berufe im Frühmittelalter

Adel

Im Frühmittelalter bestimmte die Standeszugehörigkeit, welche Berufe die Menschen zu erfüllen hatten. Der obersten Schicht gehörten die Geistlichen an. Bischöfe, Priester und Mönche lebten als Gemeinschaft in einem Kloster und verschrieben sich ausschließlich den Diensten des Herrn. Da sie dafür aus der Bibel zitierten, zudem Religion zur damaligen Zeit einen sehr hohen Stellenwert besaß, waren Geistliche im Vergleich zum Rest der Bevölkerung nicht nur sehr gebildet, sondern auch sehr einflussreich.

Ebenfalls einflussreich waren die Adligen. Hierzu zählten Könige, Fürsten und Ritter, die allesamt der Mittelschicht angehörten. Sie lebten auf Burgen inmitten ihrer Gefolgschaft. Zu ihren Hauptaufgaben gehörte die Befähigung zur Kriegsführung, um stets Macht und Dominanz ausüben zu können.

Der Großteil der Bevölkerung war der 3. Schicht zugehörig. Diese setzte sich aus freien Bürgern (Bauern, Handwerkern, Kaufleuten) zusammen. Die unterste Schicht hatte den geringsten Einfluss, dafür jedoch die härteste Arbeit zu leisten. Ihre Tätigkeiten reichten von Arbeit auf dem Feld, Ernte- und Pflugarbeiten, Viehhaltung bis hin zu Hausarbeiten. Ihr Tag begann bei Sonnenaufgang und endete erst mit dem Einbruch der Dunkelheit. Auch die Jahreszeiten hatten großen Einfluss auf die verschiedenen Aufgaben. So war im Frühjahr die Bestellung der Äcker, pflügen und säen an erster Stelle.

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Handwerk

Die Unterschicht lebte vorwiegend in Familienverbunden auf dem eigenen Land und arbeitete vor allem für ihre Existenz und meistens auch nur für ihre unmittelbare Umgebung. Die Selbstversorgung stand im Mittelpunkt, was nur verständlich ist, da Handelsreisen zu den weitläufigen und unterbevölkerten Städten eine aus heutiger Sicht kaum vorstellbare Strapaze darstellten. Die Zeit und Anstrengungen konnten daher viel besser in den eigenen Hof investiert werden.

Tischler oder Maurer gab es noch nicht, die angefordert werden konnten. Daher benötigten alle Bauern handwerkliches Geschick. Zerbrach zum Beispiel ein Stuhlbein, so musste eigenhändig ein neuer Stuhl gebaut werden. Ansonsten winkte ein überaus unbequemer Sitzplatz auf dem Boden.

Da Metalle meist viel zu teuer für einen gewöhnlichen Bauern waren, kam hauptsächlich Holz zum Einsatz. So bestand nicht nur der Großteil der Inneneinrichtung aus Holz, sondern auch das Geschirr und Besteck. Da leben die heutigen Landwirte wesentlich komfortabler.

Beruf statt Hof: Berufe im Hochmittelalter

Erst im Hochmittelalter veränderte sich die allgemeine Auffassung zur Arbeit. Zurückzuführen lässt sich dies vor allem durch eine gesellschaftliche Bedeutungszunahme der Städte. Köln, Nürnberg, Bremen oder Hamburg stiegen stetig in ihrer Einwohneranzahl, was neue menschliche Bedürfnisse hervorbrachte und somit bessere Planungen verlangte. Welche Berufe somit entstanden sind, zeigen wir dir hier: 

Es entstanden unzählige handwerkliche Berufe, die auf häufigen Nachfragen zu bestimmten Produkten gründeten. So gab es u.a. Schuhmacher, Glasmacher, Dachdecker und Sattler. Aber auch Dienstleistungen wurden mehr und mehr benötigt, was Berufe wie den des Wirtes, des Hausanstreichers oder des Fassträgers hervorbrachte. Zunehmenden Schrittes professionalisierte und konkretisierte sich das Berufswesen: Handwerkliche Berufe und Handelsberufe schlossen sich zu Berufsgruppen zusammen, die oberen Schichten leisteten nun auch körperliche Arbeit und bestimmte Berufsfelder erfreuten sich einer breiten Beliebtheit. Dazu gehörten u.a. Schmied, Buchbinder, Bäcker oder auch Bierbrauer.

Bäcker hui, Henker pfui: Unehrliche Berufe im Mittelalter

Wie auch heute gab es auch schon damals Berufe, die keinen allzu großen Anklang fanden. Als Zielscheibe von Spott und Hohn galten im Mittelalter die sogenannten unehrlichen und arbeitsscheuen Berufe. Unter „arbeitsscheu" empfand man im Mittelalter alle nachtaktiven Tätigkeiten, wozu u.a. die Ausübung der Prostitution oder auch das Betteln zählte.

Zu den unehrlichen Berufen hingegen gehörten all jene Berufe, die von der restlichen Bevölkerung auf eine überaus große Verachtung stießen. Die Verachtung war dabei so beträchtlich, dass diejenigen Menschen, welche unehrlichen Berufen nachgingen, mitsamt ihren Angehörigen vom Rest der Bevölkerung gemieden wurden. Sie waren daher gezwungen isoliert am Stadtrand, in einer miserablen Wohngegend oder außerhalb der Stadtmauern zu leben. Betroffen waren u.a. Henker, Totengräber oder Abdecker. Als Abdecker gehörte es zum Alltag tote Tiere zu verwerten und die Reste zu vergraben oder zu verbrennen. Der Totengräber kümmerte sich um Leiche bis die Beerdigung anstand. Seine Aufgabe war es, die Toten zu waschen und herzurichten sowie die Gräber vorzubereiten und schließlich zuzuschaufeln. Es ist durchaus nachvollziehbar, dass gerade solche Tätigkeiten, die mit dem Töten einhergehen, nicht mit einer großen Begeisterung aufgenommen wurden.

Müller

Doch darf es verwundern, dass aus heutiger Sicht auch gewöhnliche Berufe wie Müller, Schäfer, Schauspieler oder Nachtwächter ebenfalls als ehrlos galten. Die konkreten Gründe dafür bleiben uns bis heute verborgen, oftmals dürfte es sich aber um Neid, Angst oder Streitigkeiten zwischen den Berufsgruppen gehandelt haben. So wurde dem Müller vorgeworfen Getreide von den Bauern zu stehlen.

Schäfer wurden außerdem ausgegrenzt. Zwar wurden ihre gewonnenen Rohstoffe geschätzt, seiner Tätigkeit jedoch nicht. Den Schäfern wurde hinter vorgehaltener Hand nachgesagt, dass sie mit ihren Schafen Intimitäten austauschen, um der Einsamkeit auf dem Feld zu entfliehen. Schauspieler galten als Diebe, die den Menschen hinter der Fassade des Bühnenspiels hinterrücks das Geld aus den Taschen ziehen. Der Nachtwächter, der des Nachts in dunklen Gassen herumschlich, um nach akuter Gefahr Ausschau zu halten, arbeite zwar zum Schutz der Allgemeinheit, doch erzeugte der Umstand, dass er nur im Dunkeln anzutreffen war, etwas unheimlich Bizarres.

Ging man im Spätmittelalter dem falschen Beruf nach, dann hatte dies harte Konsequenzen. Jedoch entschieden sich die Menschen nicht aus Neigung oder Interesse für solch einen ehrlosen Beruf, meist nahmen sie diesen nur aus reiner Geldnot an.

Diese Angst brauchst du heutzutage nicht mehr haben. Heute gibt es deutlich mehr Möglichkeiten, einen ehrbaren Beruf zu erlernen. Welcher Beruf dabei am besten zu dir passt, kannst du im kostenlosen Eignungstest herausfinden. Ehrlose oder arbeitsscheue Berufe sind sicher nicht dabei.

Alte Berufe und ihre Herkunft

Berufe kommen und gehen. Auch wenn jedes Jahr neue Berufsbilder entstehen, so verschwinden doch auch immer einige alte Berufe von der Bildfläche und geraten in Vergessenheit – sei es, weil die Tätigkeit nicht mehr gebraucht oder von moderner Technik ersetzt wird. Wieder andere Berufe bekommen einfach einen neuen Namen verpasst und einige leben heute nur noch als Familiennamen weiter. Wir stellen euch jetzt noch ein paar alte Berufe vor, deren Ursprung besonders weit zurückliegt und erklären, was sie bedeuten.

Platz 1 der häufigsten Familiennamen: Müller

Als Müller wurde in früheren Zeiten nicht nur jemand bezeichnet, der eine Mühle besaß, sondern auch ein Handwerker, der beispielsweise Mehl oder Öle herstellte. Wahrscheinlich handelt es sich bei Müller um ein Lehnwort aus dem Lateinischen. Das heißt, man übernahm die lateinische Bezeichnung für den Müller, nämlich molinarius einfach in die deutsche Sprache. Im lateinischen molinarius steckt das lateinische Wort für Mühle, nämlich molina. Demnach ist der molinarius wörtlich „der, der zur Mühle gehört“, also wohl „der, der eine Mühle besitzt“ oder „der, der mahlt“. Aus molinarius wurde das deutsche Wort mulinari, entwickelte sich dann weiter zu mülnaere und mülner und schließlich dem heutigen Müller. Auch heute noch gibt es das Handwerk des Müllers. Der entsprechende Ausbildungsberuf heißt Müller – Verfahrenstechnologe in der Mühlen- u. Futtermittelwirtschaft.

Beim Tischler ist der Name Programm

Der Beruf des Tischlers ist eines der ältesten Handwerke und ungefähr seit dem 12. Jahrhundert eigenständiges Gewerbe. Vor dem 15. Jahrhundert wurde der Tischler noch Tischer genannt, aber auch die Bezeichnungen Kistler und Kistner waren üblich. Diese Wortformen setzen sich alle aus einem Hauptelement – Tisch oder Kist – und einer Endung (-er, -ler oder -ner) zusammen. Ein Tischler ist daher ganz wörtlich „jemand, der einen Tisch herstellt“, ein Kistler „jemand, der eine Kiste herstellt“. Allerdings war Tisch früher einfach nur ein anderes Wort für Kiste. Genauso ist der Schreiner – wie der Tischler in Süddeutschland heißt – wörtlich „jemand, der einen Schrein herstellt“. Schrein ist eine alte Bezeichnung für eine Truhe oder einen Schrank.

Vom zimbarari zum Zimmermann

Zimmerer bzw. Zimmerleute sind Handwerker, die in der Holzverarbeitung tätig sind und zum Beispiel Dachstühle oder Holztreppen fertigen. Zimmerer gibt es schon sehr lange. Früher war nämlich fast jeder ein Zimmermann, da man sich sein Haus meist selbst bauen musste. Im Laufe der Zeit und vor allem seit dem Mittelalter spezialisierten sich die Handwerker immer mehr auf bestimmte Techniken und Arbeiten, sodass der Zimmermann allmählich zum eigenständigen Beruf wurde. Eine alte Bezeichnung für den Zimmerer ist wahrscheinlich zimbarari.

Und der Zimmermann hieß früher erst zimbarman und später zimberman, bevor unser heutiges Wort daraus wurde. Alle diese Begriffe, ob alt oder jung, enthalten das Substantiv Zimmer in unterschiedlichen Formen. Und dieses Wort hat sehr alte Wurzeln und kann bis in die gotische Sprache zurückverfolgt werden. Das ist die älteste germanische Sprache, für die es schriftliche Nachweise gibt. Der Vorfahre für unser Zimmer im Gotischen ist temra, was „Bauholz, Gezimmertes“ bedeutet. Dieses entwickelte sich von timbar, über zimbar und zimber, bis hin zu zimer und schließlich Zimmer. Wörtlich ist der Zimmerer oder Zimmermann also „der, der ein Zimmer baut“ oder „der, der etwas (aus Holz) baut“. 

Beamter der ersten Stunde: Schulze

Der Schulze ist ein weiteres Beispiel für alte Berufe, die mit der Zeit zu Familiennamen wurden. Schulze ist eine verkürzte Form von Schultheiß. Und das war im Mittelalter ein Beamter und hatte eine ähnliche Funktion wie ein Bürgermeister. Er sorgte für Recht und Ordnung in Dorf oder Stadt und musste zum Beispiel Abgaben eintreiben.

Die älteste deutsche Form von Schultheiß ist sculdheizo, später wurde daraus schultheize und in vereinfachter Form eben dann Schulz, Schulze, Schultes oder Schulte. Wörtlich setzt sich der Schultheiß zusammen aus „Schuld“ und „heißen“, wobei heißen hier eher im Sinne von „etwas anordnen“ oder „etwas befehlen“ gemeint ist. Dementsprechend ist der Schultheiß also „der, der die Schuld (Leistung) anordnet, der die Pflichten festsetzt“.

Das Amt des Schultheiß gibt es heute nicht mehr. Seine Aufgaben übernehmen vor allem Beamte und Angestellte aus den Bereichen Verwaltung und öffentlicher Dienst, wie etwa Beamte der Allgemeinen Inneren Verwaltung oder der Steuerverwaltung, Justizfachangestellte, Steuerfachangestellte oder Verwaltungsfachangestellte, aber auch Richter oder Anwälte.

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